Protest organisieren

Protestieren

Heute reicht es nicht mehr, die Flugblattpresse anzuwerfen, um für eine Demonstration zu werben. Auch Plakate erzielen nicht die gewünschte Reichweite. Wenn man sich die Demonstrationen zu „Black lives Matter“ und auch zu der jüngsten Corona-Demonstration ansieht, so wird schnell klar, die Mobilisierung erfolgt über Internetplattformen. Bei „Black lives Matter“ fand die Mobilisierung über die Instagram-Kanäle bekannter Mode-Influencerinnen statt. (Siehe z. B. hier).

Michael Ballweg, Kopf der Bewegung „Querdenken 711“ nutzt seit Beginn seiner Kampagne das Internet zur Mobilisierung. Und er verbreitert geschickt seine Basis:
Noch vor wenigen Wochen wirkte es so, als lösten sich die „Hygiene-Demos“ gegen die Pandemie-Politik langsam auf. Nur noch 500 Leute nahmen Mitte Juli an einer Veranstaltung des Gründers und IT-Unternehmers Michael Ballweg teil. Im Mai hatte eine bunte Mischung aus Impfgegnern, Esoterikern, Anthroposophen, Veganern sowie wenigen Links- und Rechtsextremisten in Stuttgart zu Tausenden von sich reden gemacht.

Als maßgeblicher Organisator konnte Ballweg nun offenbar viele bei einer Demonstration in Berlin am Wochenende mobilisieren, rund 20.000 sollen daran teilgenommen haben. Möglich wurde das erst durch eine „logistische Kooperation“ mit #honk for hope“, einer Bewegung zur „Rettung des Busreisegewerbes“ in Deutschland. Grundlage der Kooperation ist eine einfache Arbeitsteilung: Ballweg, die Gruppe „Querdenken 711“ sowie die regionalen Gliederungen der Bewegungen melden überall in der Republik Demonstrationen an, mal in Stuttgart, mal in Ravensburg, mal in Berlin. Der Logistikpartner „#honk for hope“ organisiert die Busreisen für die Demo-Touristen aus 68 Städten in Deutschland.

Darüber hinaus hat er einen Pressesprecher, Stephan Bergmann, installiert, der die Internetakteure (Blogger, Youtuber, Telegram-Kanalarbeiter) geschickt für die Bewegung – professionell über „Pressebereiche“ – einbindet. Über diese Kanäle werden tausendfach die Botschaften verbreitet und sie werden von den „alternativen Medien“ weiter verbreitet. „Querdenker“ informieren sich schon lange nicht mehr über die seriösen Pressekanäle oder über die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die sie als „gleichgeschaltet“ ansehen.

Die Informationsschlacht geht jeden Tag weiter: Der Tagesspiegel berichtete über rassistische Videos, Artikel und Bilder, die Stephan Bergmann, der Pressesprecher von „Querdenken 711“, im Internet verbreitete. Nun behauptet Bergmann öffentlich, der Tagesspiegel habe sich die Posts ausgedacht.

Doch auf diversen Seiten kann man nachlesen, dass Stephan Bergmann Posts hoch läd, in denen vor einer „Vermischung der Rassen“ gewarnt wird. Es wird vor der Züchtung einer „hellbraunen Rasse in Europa“ gewarnt. Durch die Vermischung solle der Intelligenzquotient der weißen Bevölkerung gedrückt werden. Um die „großen Zusammenhänge der Weltereignisse“ zu verstehen, empfahl Bergmann auch ein Video, das beschreibt, wie das deutsche Volk angeblich durch den Import von „Stammeskriegern aus Afrika“ und „Massen von Muslimen“ systematisch ausgelöscht werden soll. Sceenshots dazu siehe hier. https://www.tagesspiegel.de/berlin/dokumentation-der-hass-den-stephan-bergmann-im-netz-verbreitete/26054768.html

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.