Hilferuf
Just Human berichtet aus Athen – update

Just Human Foto Newsletter

Liebe humans,

verzweifelte Notrufe erreichen uns aus Athen. Ältere Menschen, Frauen mit Kindern, Familien – unzählige Menschen, die vorher in Moria oder anderen Flüchtlingslagern waren, leben jetzt ohne Schutz in Parks und auf den Bürgersteigen. Bitte hilf uns helfen.

Die AnStifter unterstützen die Aktionen von Just Human. Auch mit einer Veranstaltung im Württemberger Kunstverein (wkv) am 30. September, siehe hier.

Aysan (Namen geändert), eine aus dem Iran geflüchtete Frau, die wir schon länger unterstützen, hat uns erschütternde Fotos von Menschen in Athen geschickt. Alle Fotografierten, bei Kindern auch die Eltern, waren mit den Aufnahmen einverstanden, denn sie möchten die Welt über ihre Situation informieren.

Die 86jährige Elaha, die auf dem Foto oben von ihrer Schwiegertochter notdürftig vor dem Regen geschützt wird, war schon in Moria krank. Als sie die Flüchtlingsanerkennung bekamen und Moria verlassen durften, schien das eine gute Nachricht. Jetzt sind sie – wie hunderte Andere – in Athen, obdachlos und ohne jeden Anspruch auf Hilfe. In Absprache mit uns hat Aysan die Nummer von just human an Frauen mit Kindern und ältere Frauen weitergegeben, die in großer Not sind.

Seit einigen Wochen erkennt die griechische Regierung immer mehr Geflüchteten in Moria den Flüchtlingsstatus zu. Offenbar soll so die weitere Ausweitung der Lager vermieden werden. Innerhalb von fünf Tagen müssen alle, die einen Flüchtlingsstatus bekommen, die Lager verlassen. Sie dürfen gehen, wohin sie wollen. Doch mit dem Verlassen der Lager verlieren sie zunächst jeden Anspruch auf Unterstützung. Erst mit einer neuen Meldeadresse könnten sie erneut Unterstützung beantragen und auch eine Steuernummer und die Krankenversicherung, die sie brauchen, wenn sie arbeiten wollen.

Doch zunächst kommen viele mittellos in Athen an. Solmaz, die mit ihren Kindern aus Afghanistan geflüchtet ist, berichtet, dass sie ihr Geld in Moria für Lebensmittel ausgegeben hat. Ein Jahr haben sie dort gelebt. Alle Ersparnisse sind aufgebraucht. Mit den Kindern lagert sie nun seit zwei Tagen im Victoria-Park, ohne Versorgung, ohne Zugang zu Wasser, Toiletten, Schutz.

Einige Einwohner Athens helfen, indem sie Wasser oder Lebensmittel vorbeibringen, aber die Hilfe reicht bei weitem nicht aus. Die Situation in Athen und in ganz Griechenland ist aufgrund der Wirtschaftskrise und der Corona-Pandemie sowieso schon sehr angespannt. So kann die griechische Polizei nur alle paar Tage Busse vorbeischicken, die die Menschen in neues Elend bringen: In überfüllte Lager am Stadtrand oder auf dem Land, ohne Anspruch auf Versorgung und oft weit weg von Geschäften und Arbeitsmöglichkeiten.

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.