Zum Geburtstag des Dalai Lama
Ein lächelnder spiritueller Führer

Dalai Lama
Foto: © Martin Kraft CC BY-SA 3.0

Heute feiert der Dalai Lama seinen 85. Geburtstag. Es ist ein Leben voller Lächeln und Sanftmut. Das war ihm nicht in die Wiege gelegt. Die Welt liebt sein Lächeln, also liebt sie auch ihn. Gäbe es eine Wahl zum sympathischsten Menschen der Welt wäre der lächelnde Dalai Lama der große Favorit. Sein Lächeln macht ihn scheinbar alterslos. Eigentlich sah er schon immer so aus wie heute, und wahrscheinlich ist er rein äußerlich auch in zehn Jahren um keinen Deut gealtert.

Der 14. Dalai Lama (seit 1474) wurde am 6. Juli 1935 in einem kleinen Dorf im Nordosten Tibets unter dem Namen Lhamo Döndrub als zweiter Sohn von insgesamt 16 Kindern einer Bauernfamilie geboren. Er war noch nicht einmal zwei Jahre alt, als ihn eine Delegation von vier buddhistischen Mönchen nach mystischen Visionen und Orakelsprüchen als Wiedergeburt des 1933 verstorbenen 13. Dalai Lama ausfindig gemacht hatte. Das Kind wurde von seiner Familie und dem Provinzgouverneur freigekauft. Sie nahmen es mit in die Hauptstadt Lhasa, dort erhielt er als vierjähriger Mönch den Namen Jetsün Jampel Ngawang Lobsang Yeshe Tendzin Gyatso – „Heiliger Herr, gütiger Herr, mitfühlender Verteidiger des Glaubens, Ozean der Weisheit“ – und wurde am 22. Februar 1940 im Potala-Palast als 14. Dalai Lama inthronisiert.

So ein Dalai Lama hat also vielerlei Rollen zu erfüllen, als religiöses Schuloberhaupt, als politischer Herrscher, als Reinkarnation des personifizierten Mitgefühls und Erbarmens. Abgesehen von diesen religionsgeschichtlichen Hintergründen und wie wir zu diesen stehen mögen, ist der 14. Dalai Lama in einer besonderen Situation. Diese hat ihn zu einer weltweit bekannteren Person gemacht, als ein Mann in dieser Position sonst geworden wäre, den man wohl eher als Herrscher einer exotischen Mönchsrepublik angesehen hätte. Aber Tenzin Gyatso war mit einem besonderen politischen Ereignis konfrontiert: Dem Druck der chinesischen Diktatoren auf Tibet. Wie der Dalai Lama damit umging zeichnet seine politische Haltung aus. Zunächst hatte er sich an die USA und England gewandt. Jedoch unternahmen beide keinerlei Schritte zur Unterstützung Tibets. Dann versuchte er auf diplomatischem Weg in mehreren Anläufen „das Reich der Mitte“ von einer Annexion Tibets abzuhalten. Als ihm dieses nicht gelang, musste er die direkte politische Herrschaft über Tibet aufgeben. Nach Indien zu gehen, wo er seine Exilregierung bildete, war gewissermaßen auch eine Rückkehr in das Land in dem der Buddhismus vor ungefähr 2500 Jahren entstanden ist und in welchem diese Religion heute so gut wie ausgestorben ist.

Und dieses hat ihn zu einer bekannten Persönlichkeit der Weltpolitik und somit globaler Prominenz geformt. Seine besonnene und friedfertige Art, mit dem Konflikt mit China nach seiner Vertreibung ins Exil umzugehen, hat dem 14. Dalai Lama den Friedensnobelpreis eingetragen und breite Anerkennung in der westlichen Welt.

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.