US-Wahlkampf
Kids are so clever

Wahlveranstaltung von Trump vor halbleeren Rängen

Donald Trump spricht vor leeren Rängen. Seinen ersten Wahlkampfauftritt in der Corona-Krise hatte sich der amerikanische Präsident wohl anders vorgestellt.

Noch wenige Tage vor der Veranstaltung präsentierte Donald Trumps Wahlkampfmanager Rekordzahlen. 800.000 Tickets seien für Trumps Wahlkampf-Veranstaltung in Tulsa, Oklahoma, bereits angefragt worden.

Die Bilder, die aber am Samstagabend aus der Arena ins Fernsehen, ins Web und so in alle Welt drangen, passten überhaupt nicht zu diesen Ankündigungen: Ein beachtlicher Teil der fast 20.000 Zuschauer fassenden Arena war leer geblieben,  allem angeblichen Andrang zum Trotz. Die Feuerwehr von Tulsa sprach von gerade einmal knapp 6200 Besuchern.

Was war geschehen?

Postings von Eltern zeigten, dass ihre Kinder und deren Freunde bei einer Onlineaktionen mitgemacht haben und Tickets reserviert hatten. Die Kampagne wurde maßgeblich über TikTok und Twitter organisiert. Schlau wie die Kids sind, haben sie die Videos, mit der sie für ihre Aktion geworben haben, binnen 24 Stunden wieder gelöscht. Die Verantwortlichen der Trump-Kampagne haben so nichts von den Plänen mitbekomme. „Diese Kinder sind klug und haben an alles gedacht“, schrieb die New York Times.

Von Jugendlichen lernen in politischen Auseinandersetzungen

Für Donald Trumps politische Konkurrenz sind die Hinweise auf eine Aktion junger Menschen, kombiniert mit den Bildern aus Tulsa, nun eine Steilvorlage. So twitterte etwa die Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez, adressiert an Wahlkampfmanager Parscale, Teenager auf TikTok hätten das Trump-Team ausgetrickst: Man habe gedacht, dass eine Million Menschen wegen eines „White Supremacist Open Mic“ eine Arena füllen wollten  und das ausgerechnet während der Coronakrise.

Neue Akteure betreten die Protestbühne

Das Beispiel zeigt, dass heutzutage mit ganz anderen Akteuren im politischen Protest gerechnet werden muss. Wer hätte z. B.  gedacht, dass der Protest gegen Diskriminierung in Deutschland („Black lives matter“) maßgeblich von Mode-Influencerinnen über Instagram organisiert werden könnte?

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.