Bürgerrechte gegen automatische Gesichtserkennung

Erstmal sortieren! Also da ist zum einen ACLU, eine us-amerikanische Organisation, die sich für die Überlebenden von sexueller und häuslicher Gewalt, unregistrierte Einwanderer, Schwarze und andere gefährdete Gemeinschaften einsetzt – unabhängig von ihrem Geschlecht. Da ist zu anderen BIPA, ein im US-Bundesstaat Illinois geltendes Gesetz zum Schutz biometrischer Körpermerkmale oder Biometric Information Privacy Act. Und schließlich ist da Clearview AI, dessen Abkürzung im letzten Teil des Wortes für Künstliche Intelligenz steht und dessen eigentlicher Name – Clearview – so viel wie Klare Sicht bedeutet und darauf schließen läßt, dass das noch junge Unternehmen Bildverarbeitung unter Zurhilfenahme von Künstlicher Intelligenz betreibt. Sobald man auch noch weiß, dass Clearview eine Bilddatenbank mit mehreren Milliarden Gesichtsbildern unterhält, erschließt sich einem und einer auch, was es mit dem Biometrieschutz im Staate Illinois auf sich hat und warum dieser Umstand in diesem kleinen Text Erwähnung findet. Die eingangs erwähnte ACLU – American Civil Liberties Union – hat nämlich vor einem Bundesgericht Klage gegen Clearview erhoben, weil dieses Unternehmen ohne Wissen und Einwilligung der Gesichts-Eigentümer deren Gesicht kopiert, speichert und mit personenbezogenen Daten anreichert, so dass die von ACLU vertretenen Personen, so die Bürgerrechtsorganisation, als schwächste Mitglieder der Gesellschaft einer Bedrohung durch Ex-partner:innen, Serienstalker:innen, Abschiebepolizei etc. ausgesetzt würden. „Die New Yorker Firma verkaufe“, so heise.de „sogar noch den Zugang zu einer App, die es Kunden sowie Testnutzern erlaube, ein Foto einer unbekannten Person hochzuladen und unverzüglich ein Set an dazu passenden Aufnahmen mit Namen zu erhalten.“ Das Illinoiser Gesetz stellt nun klar, dass automatische Gesichtserkennung nur im Anschluss einer ausdrücklichen Einwilligung durch die betroffene Person erfolgen darf. Die Aussicht auf Erfolg der Bürgerechtsorganisation ist groß. Um eine ähnliche Auseinandersetzung beizulegen, bezahlte Facebook Anfang dieses Jahres bereits 550 Millionen Dollar.

siehe auch

Clearview Ai
Wikipdedia Clearview
New York Times
Süddeutsche Zeitung
buzzfeed
heise.de

Burkhard Heinz
mediatpress®

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.