„Positive Journalism“
kein falscher Eindruck

Goodnews

Foto: Jon Tyson auf Unsplash

Jodie Jackson ist Amerikanerin und Psychologin. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Medium (01/2020) wird sie zum Thema „Positiver Journalismus“ interviewt und stellt gleich zu Anfang fest, dass „positiver Journalismus nichts mit Feelgood zu tun hat“.

Ihr sei es schon immer wichtig gewesen, einen Ausgleich zu haben zu einem, wie sie sagt, „negativen Nachrichtenzyklus“. Außerdem praktiziere sie „Slow Journalism“ und lese nicht jeden Tag Nachrichten. Einmal wöchentlich, sagt sie, würde ihr genügen. Dabei versuche sie aber auch, immer etwas tiefer in die Themen und Argumente einzusteigen. Um herauszufinden wie Nachrichten überhaupt wirken, habe sie dann eine universitäre Karriere begonnen. Für ihre Forschungen, sagt sie, definiert sie „Positive Journalism“ als, und das ist jetzt wichtig, „Journalismus, der kritisch über greifbare Fortschritte berichtet“. Es sei doch nicht von der Hand zu weisen, dass schlechte Nachrichten schlechte Gefühle befördern. Es existierten bereits Untersuchungen, die zeigten, dass Menschen eher bereit sind sich gesellschaftlich einzubringen, „wenn sie lösungsorientierten, positiven Journalismus konsumieren“. Dabei müsse nicht auf die Berichterstattung über tragische Ereignisse verzichtet werden. Nur der Ansatz ist ein anderer, denn „in solchen Situationen finden sich auch immer positive, lösungsorientierte News: über das, was getan wird, um zu helfen, über Menschen, die sich zusam- menfinden, sich unterstützen, um ein wenig den Schmerz, das Leid der anderen zu lindern“. Umfragen zeigten, so Jackson, dass Menschen sich häufig von Medien abwenden und als Grund dafür die deprimierende Nachrichtenlage angeben. Dass sich die Zahl derjenigen, die im Vereinigten Königreich keine Nachrichten mehr ansehen, in einem Jahr um 11% auf nunmehr 32% erhöht hat, sei beunruhigend, habe aber auch dazu geführt, dass große Medienhäuser wie z.B. die BBC und der Guardian Angebote aufgebaut haben, wo lösungsorientierter Journalismus im Mittelpunkt steht. Befürchtungen, „Positive News unterminierten den Rest des Nachrichtenzyklus“ und würden entsprechende Inhalte als unsensibel erscheinen lassen, hält Jackson für unangebracht. Die Sache sei doch die, so Jackson: im Moment sind wir furchtbar desinformiert. Die traditionelle Berichterstattung deckt ab, was in der Welt falsch läuft, aber eben nicht alles, was los ist. Das Ergebnis, wir glauben die Welt sei gefährlicher und schlechter, als sie tatsächlich ist.

siehe auch
youtube
Constructive Journalism

Burkhard Heinz
mediatpress®

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.