Zeit zum Nachdenken

Peter Grohmann Foto: © M. Seehoff
Foto: © M. Seehoff

Peter Grohmann, Gründer der AnStifter, lässt uns folgende Botschaft zukommen:

Liebe Leute,

vielen Dank für die freundliche Post, für Nachfragen, Anrufe und die interessanten Ideen zur eigenen, der Volksgesundheit und der Rettung der Demokratie.

Leider sind – aus Mangel an Erkenntnis und Zeit – viele Menschen, die uns nahestehen, durch unser eher mageres Informationsraster gefallen – nicht nur jene, die keine eMail-Adresse haben. Jetzt besteht deshalb für uns alle eine gute Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen. Kontaktsperre aufheben.

Momentan geistern die eigenartigsten Vorstellungen herum, was woher kommt und uns weshalb droht. Auf die Wissenschaft ist auch kein echter Verlass: zu widersprüchlich. Es gibt seriöse Infos, ‚gute‘ Medien und den gesunden Menschenverstand. Correctiv analysiert und bietet Hilfe nicht nur bei Corona-FaceNews: correctiv.org.

Jetzt gilt die größte Sorge vieler nicht den Menschen, sondern dem Umsatz, um das System zu erhalten: Ungebremster Konsum für alle, die sich’s leisten können. Die gewaltfreie Übernahme chinesischer Überwachungs-Praktiken wird diskutiert. Es geht schneller, als die Polizei erlaubt – aber auch bei uns wurde ja vor 14 Tagen noch gefordert, z.B. die Diskussion mit Daniela Dahn im wkv nicht ausfallen zu lassen. So kann man sich täuschen.

Ich bin skeptisch, was unsere eigene Gesundheit und die Plätze an den Beatmungsgeräten angeht. Besserverdiener haben ein eigenes, samt Krankenhaus. Das Robert-Koch-Institut hat 2013 dem Bundestag einen „Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz“ vorgelegt, samt Warnung vor Engpässen und dem Massenanfall an Leichen (Bundestagsdrucksache 17/12051): ungelesen ungesühnt. Das systemrelevante Versagen von Regierenden bleibt außen vor – die Opposition sitzt in der Anstalt.

Auf welche Kurve immer wir auch hoffen: Es kommt schlimmer, und es wird uns alle und das Land mehr erschüttern als alles Bisherige. Es ist gut, alle Pläne herunterzufahren und die Rettung der Demokratie (durch uns) zunächst noch etwas aufzuschieben. Nehmen wir uns stattdessen die Zeit, die jetzt da ist. Freunde anrufen, Briefe schreiben, lesen. Ruhe geben. Ausspannen, nachdenken, wo es sich lohnt und ob es sich lohnen würde, weiterzumachen. Nicht nur ich nehme an, dass in etlichen Monaten die Welt ganz anders aussieht: Das Ende vieler Gewissheiten, das Ende vieler Fragen, die gestern für uns noch relevant schienen. Macht euch auf vieles gefasst. Möglich, dass ein Neubeginn möglich wird. Achtet auf euch. Haltet Abstand zu Gemeinheiten. Weint mal wieder.

Herzlich grüßt ganz kollektiv euer
Peter Grohmann

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.