Herzlichen Glückwunsch
Ernesto Cardenal

Ernesto Cardenal
Bildquelle Wikipedia CC BY-SA 3.0

Heute, am 20. Januar vor 95 Jahren, wurde eine der schillerndsten Figuren Lateinamerikas, der Priester und Lyriker Ernesto Cardenal in Granada, Nicaragua geboren. Der katholische Priester, Mystiker, Widerstandskämpfer, Revolutionär und Ex-Kulturminister Nicaraguas nennt sich selbst „Sandinist, Marxist und Christ“. Für Linke war er seit dem Sturz der Somoza-Diktatur 1979 der Beweis dafür, dass sich Christentum und Marxismus nicht widersprechen.

Ernesto Cardenal ist immer noch ein Star der Befreiungstheologie. Auch wenn sich der alte Mann aus Nicaragua seit vielen Jahren vornehmlich auf seine Leidenschaft für die Lyrik konzentriert. Ernesto Cardenal füllt weiter die Säle in Deutschland.

1985 verbot ihm Papst Johannes Paul II. die Ausübung des priesterlichen Dienstes , weil er ein Ministeramt in der Revolutionsregierung übernommen hatte und er eine falsche Bibelauslegung in den Augen der Amtskirche betrieb. Erst vor einem Jahr hob Papst Franziskus völlig überraschend alle kirchlichen Strafen gegen Cardenal auf.

Doch Cardenal ist viel mehr als ein Priester der Befreiungstheologie. Seit Jahrzehnten erhält er für sein literarisches Werk Auszeichnungen, 1980 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2012 den spanischen Königin-Sofia-Preis für Iberoamerikanische Literatur. Kritiker nennen Cardenal, der in Deutschland eine treue Zuhörer- und Leserschaft hat und immer noch Säle bei seinen Lesungen füllt, den „Begründer der mystischen lateinamerikanischen Literatur“ oder einen „der originellsten christlichen Mystiker des 20. Jahrhunderts“.

Ernesto Cardenal entstammt einer wohlhabenden Familie, studierte in New York Literatur und hatte früh Kontakte nach Europa. 1966 gründete der Nonkonformist auf der Insel Solentiname im Nicaragua-See eine an radikal-urchristlichen Idealen orientierte Gemeinschaft. Es entstand das „Evangelium der Bauern von Solentiname“, in dem er vom Bemühen der Menschen sprach, ihr Leben im Licht der Botschaft Jesu zu deuten.

Auch heute noch hält er Christentum und Marxismus für miteinander vereinbar und prognostiziert – entgegen der meisten anderen Vorhersagen – das „Jahrhundert eines marxistischen Christentums“. Die wichtigste Entscheidung seines Lebens sei, so Cardenal über sich selbst, dass er sich Gott verschrieben habe „und damit auch dem Volk und der Revolution“.

Funkstille herrscht heute dagegen zwischen ihm und Nicaraguas Dauerpräsident Ortega. Zur aktuellen Lage sagte Cardenal im Dezember letzten Jahres: „Die Ablösung einer Diktatur zu fordern, ist kein Extremismus.“

Quelle: Katholisch.de

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.