Verleihung des Friedenspreises an Sea-Watch
Pressekonferenz

Vorsitzende der AnStifter Ebbe Kögel, Dr. Annette Ohme-Reinicke, Sea-Watch Rubens Neugebauer, Kapitän Friedhold Ulonska (v. l. n. r.)
Vorsitzende der AnStifter Ebbe Kögel, Dr. Annette Ohme-Reinicke, Sea-Watch Ruben Neugebauer, Kapitän Friedhold Ulonska (v. l. n. r.)
Foto: © M. Seehoff

Zur Pressekonferenz hatten die AnStifter vor ihrer Friedensgala geladen. Die Vorsitzenden des Vereins, Dr. Annette Ohme-Reinicke und Ebbe Kögel, stellten sich den Fragen des Pressevertreters.

Mit auf dem Podium die Laudatorin Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin, der Kapitän Friedhold Ulonska und Ruben Neugebauer. Letzterer hat Sea-Watch e. V. mit aufgebaut. Seit Anfang 2015 war die ständig wachsende Organisation für Seenotrettung an der Rettung von weit über 35.000 Menschen beteiligt. Sea-Watch e. V. besteht vor allem aus engagierten Freiwilligen aus ganz Europa und finanziert sich komplett über Spenden. Ruben Neugebauer kümmert sich neben der Kampagnenarbeit auch um den Bereich Luftaufklärung. Der Fotojournalist machte extra einen Flugschein, um für Sea-Watch aus der Luft nach Menschen in Seenot suchen zu können. Friedhold Ulonska ist Kapitän und immer wieder im Mittelmeer auf Seenot-Rettungsschiffen im Einsatz.

Wie es zur Wahl des diesjährigen Preisträger gekommen sei, wollte die Presse wissen. Dr. Annette Ohme-Reinicke erläuterte, dass im zweiten Wahlgang aus 1.296 abgegebenen Stimmen auf Sea Watch 370 (28 %.) Stimmen entfielen. Zehn Vorschläge hatten es von insgesamt zweiundzwanzig exzellenten Vorschlägen in den zweiten Wahlgang geschafft. Wahlberechtigt waren alle, die die AnStifter mit 50 € im vergangenen Jahr unterstützt hatten. Im ersten Wahlgang hatte keiner der Vorschläge die notwendige Mehrheit von 50% der Stimmen erhalten.

Der erfahrene Kapitän Friedhold Ulonska ist bisher 10 Seenotrettungsmissionen gefahren, fünf davon für Sea-Watch, fünf für Lifeline. Derzeit betreibt Sea-Watch das Schiff Sea-Watch 3, das jedoch seit fünf Monaten beschlagnahmt im Hafen von Licata in Sizilien festgehalten wird.

Scharfe Kritik formulieren die beiden Aktivisten an FRONTEXT, der Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache. Sie koordiniert die operative Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten im Bereich des Schutzes der Außengrenzen, unterstützt die Mitgliedstaaten bei der Ausbildung von nationalen Grenzschutzbeamten und legt unter anderem gemeinsame Ausbildungsnormen fest. Damit wird die „Festung Europa“ abgesichert, das Leben der Flüchtlinge steht nicht im Mittelpunkt. Sea-Watch hat sich mehrfach vergeblich bemüht, in das Beratergremium von FRONTEXT aufgenommen zu werden. Ein unversehrtes Leben ist ein Menschenrecht. Allerdings scheinen, so die Kritik, die Menschenrechte nur für weiße Europäer zu gelten. Die Rettung von in Seenot geratenen Menschen an einen sicheren Ort ist ein Grundsatz der zivilen Seenotrettung. Was für andere Gewässer um Europa gilt, scheint für das Mittelmeer – bezogen auf die Flüchlinge aus dem Nahen Osten und aus Afrika nicht zu gelten.

Ruben Neugebauer, Friedhold Ulonska, Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (v. l. n. r.)
Ruben Neugebauer, Friedhold Ulonska, Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (v. l. n. r.)
Foto: © M. Seehoff

Prof. Dr. Däubler-Gmelin ist eine profunde Kennerin der Menschenrechte. Sie hat als Honorarprofessorin einen Lehrauftrag am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin inne. Sie leitet dort vor allem Veranstaltungen in ihren Interessengebieten Internationale Beziehungen und Menschenrechte. Sie kritisiert den zunehmenden Rechtspopulismus in unserem Staat, der Menschen, die sich um Flüchtlinge kümmern, als „Deutschlandhasser“ verunglimpft. Sie plädiert für eine Politik der Hilfe, um diese Verwirrung in den Köpfen aufzuheben. 2015, auf dem Höhepunkt der Aufnahme von Flüchtlingen, haben sich Millionen an der Aufnahme beteiligt. Das dauert bis heute an: 5 Millionen Menschen kümmern sich deutschlandweit in unterschiedlichen Aktionen und Organisation um die Geflüchteten. Dabei ist Deutschland, so die Professorin, mit der Aufnahme von ca. 800.000 Flüchtlingen, bei einer Bevölkerung von 81 Millionen, ein Schlusslicht unter den aufnehmenden Staaten. Die Anrainerstaaten rund um die Krisengebiete leisten hier deutlich mehr. Sie begrüßt ausdrücklich die Vergabe des Friedenspreis der AnStifter an eine Organisation, die sich den Menschrechten verpflichtet fühlt und Menschen aus ihrer Seenot rettet.

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.