Vergewaltigung zwischen Verjährung und Straflosigkeit

Adèle Haenel ist Schauspielerin. In Frankreich ist die sehr bekannt. Valentine Monnier ist Ex-Schauspielerin. Über ihre Bekanntheit sagt der Artikel in der taz , der Anlass für diesen Text ist, nichts. Adèle Haenel beschuldigt nun den Regisseur Christophe Ruggia, sie im Alter von 12 bis 15 Jahren sexuell belästigt und ihr Gewalt angetan zu haben. In den Jahren 2001 bis 2004. Valentine Monniers Anschuldigungen beziehen sich auf das Jahr 1975 und wenden sich gegen Roman Polanski, der sie geschlagen, misshandelt und vergewaltigt haben soll. Monnier war damals 18 Jahre alt. Damals sei sie zu schockiert gewesen, Klage gegen den damals 42-jährigen Filmemacher zu erheben, schreibt die taz. Nach mehr als 40 Jahren ist das Verbrechen, das sie heute öffentlich macht, längst verjährt und Polanski streitet alles ab.

Dass Frauen auch in Zusammenhang mit dem Aufflammen von #metoo mit einer so großen zeitlichen Verzögerung die Täter einer vermeintlichen Vergewaltigung anklagen, ist erstmal nicht verständlich und lädt dazu ein, den Anschuldigungen zu Misstrauen und die vermeintlichen Täter in Schutz zu nehmen oder Verständnis für deren Empörung angesichts der späten Vorwürfe zu zeigen.

Wie sieht es aber aus, wenn Frauen mit ihren Anschuldigungen nicht warten und sofort Anzeige erstatten?

In einem kürzlich in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Interview nennt der Kriminologe Christian Pfeiffer Zahlen.

Von 100 Vergewaltigungen werden 15 angezeigt; als Ergebnis der 15 Anzeigen wird 1 Person verurteilt.

Das ist der Bundesdurchschnitt. Untersucht man die Zahlen in den einzelnen Bundesländern, dann sieht man seltsamerweise, dass dort, wo die meisten Vergewaltigungen angezeigt werden, prozentual die wenigsten Verurteilungen stattfinden.

In Berlin beispielsweise werden 1893 Vergewaltigungen angezeigt, aber in nur 3,4 % der Fälle kommt es zu einer Verurteilung. In Sachsen werden 294 Vergewaltigungen angezeigt, wovon 21,4% zu einer Verurteilung führen.

Vergewaltigung ist damit die am seltensten geahndete Gewalttat in Deutschland.

Zu den Vorwürfen von Adèle Haenel ist nun die Staatsanwaltschaft in Frankreich tätig geworden. „Haenel, die damit eine zweite Welle der #MeToo-Kampagne in Frankreich ins Rollen gebracht hat, hat sich mit Valentine Monnier solidarisch erklärt.“

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder. Anders ist das auf meinem eigenen Blog.