Trollkampagnen und us-amerikanischer Wahlkampf

Der Soziologe Christopher Bail leitet ein Forscherteam, das sich die russische Agentstvo Internet-Issledovanija vorgeknöpft hat. Untersucht werden sollte, wie groß der Einfluss dieser „Agentur“ auf den us-amerikanischen Wahlkampf 2016 war. Das Ergebnis: kurzfristig sei kein „substanzieller Einfluss auf die politische Meinung von Republikanern und Demokraten“ festzustellen gewesen.

Abgeklopft wurden einerseits 1239 Twitter-Nutzer und -Nutzerinnen, die sich als Republikaner oder Demokraten bezeichneten. Andererseits verfügte das Forscherteam über Daten von Twitter, die es ermöglichten, bestimmte Konten einer Trollfabrik in St. Petersburg zuzuordnen.

Es stellte sich heraus, dass 19% der als Republikaner oder Demokraten identifizierten Nutzer/innen Kontakt mit einem oder mehreren Konten der Trollfabrik hatten. Deren Ansichten wurden aber weitgehend ignoriert. Nur 0,1% der gesamten Interaktionen enthielten einschlägige Inhalte.

Kritisch anzumerken ist, dass die von Bail geleitete Untersuchung ca. ein Jahr nach der Präsidentschaftswahl durchgeführt wurde.
Die geringen Meinungsänderungen sind möglicherweise auch dadurch zu erklären, dass nur gestandenere Parteianhänger/innen untersucht wurden und nicht auch „Unentschlossene“ mit der ihnen typischerweise zuschreibbaren größeren Beeinflussbarkeit.
Zu fragen ist schließlich auch, wie glaubwürdig es ist, wenn sinnvolle schriftliche Äußerungen wie Meinungen in Form „einschlägiger Inhalte“ quantifiziert werden.

Abschließend heißt es bei heise online, dass Trollkampagnen aber auch ganz andere Intentionen hätten, als z.B. einen Immobilienmogul zu einer Präsidentschaft zu verhelfen. „Vielmehr legten sie es … darauf an, mittelfristig den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schwächen, Vertrauen in die Institutionen zu untergraben und die öffentliche Debatte zu vergiften.“

Burkhard Heinz
mediatpress®

Quelle: heise online

Hintergrund: vsquare.org

Christopher Bail

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder. Anders ist das auf meinem eigenen Blog.