Darknet
Was ist das eigentlich genau?

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Das Darknet wird in den Nachrichten nur im Zusammenhang mit Waffen- und Drogenhandel und Kinderpornographie erwähnt. Ist damit aber schon alles über das Darknet gesagt? Ich finde nicht und habe versucht mich schlau zu machen.

Herausgefunden habe ich, dass das gesamte Internet aus zwei großen Bereichen besteht, einem Bereich, der für alle sichtbar ist, und einem zweiten Bereich, der das nicht ist.

Dieser „unsichtbare“ Bereich des Internets wird auch als „Deep Web“ bezeichnet, und ein Teil dieses Deep Web ist das Darknet.

Das Deep Web ist der „unsichtbare“ Bereich des Internets, weil er von den bekannten Suchmaschinen wie Google, Bing, Yahoo oder DuckDuckGo nicht erfasst wird. Weil das Deep Web für die Suchmaschinen nicht existiert, existiert es also auch nicht für die normalen Surfer und Surferinnen.

Würde man einen bestimmten Begriff googlen und sich in der Ergebnisliste alle, aber auch wirklich alle verlinkten Websites und Inhalte anschauen, dann hätte man in Erfahrung gebracht, was das Internet an seiner Oberfläche zu diesem Begriff enthält. Von diesem Bereich spricht man daher auch nicht als Deep Web, sondern als „Surface Web“, denn „Surface“ ist das englische Wort für Oberfläche.

Um eine Website überhaupt zu finden, benötigt eine Suchmaschine irgendeinen Hinweis auf die Existenz dieser Website. Fehlt dieser Hinweis, findet die Suchmaschine auch keine Website.

Dieser Umstand ist auch ein leidige Erfahrung jeder Person, die eine neue Website erstellt, um dort zum Beispiel zu bloggen. Es kann oft sehr lange dauern, bis man auch im Surface Web überhaupt wahrgenommen wird.

So ganz falsch ist es nicht, würde man sagen, dass eine solche Website anfangs ein Teil des (verborgenen) Deep Web ist.

Um eine Website bekannt zu machen, meldet man sie bei Google, Bing, DuckDuckGo oder sonst einer Suchmaschine an und zeigt der Suchmaschine somit den Weg zu dieser Website, erstellt also einen entsprechenden Hinweis.

Auf der anderen Seite schreibt man den Code seiner Website so, dass sie möglichst gut von Suchmaschinen gefunden, verstanden und in den Suchergebnisse möglichst oben gelistet wird.

Das öffentliche Surface Web-Internet und das nicht-öffentliche Deep Web-Internet unterscheiden sich genau an dieser Stelle.

Wer eine Website betreiben möchte, auf die nicht jeder Zugriff haben soll, die also nicht gefunden werden soll, der meldet sie nicht bei Suchmaschinen an und schreibt sie so, dass sie von (herkömmlichen) Suchmaschinen nicht gefunden und nicht verstanden wird. Und die Adresse der Website bekommt dann lange nicht jeder. Ähnlich wie bei einem Geheimbund wird diese Adresse nur ausgewählten Personen, Bekannten und Eingeweihten zugänglich gemacht.

Das ist typisch für das Deep Web.

Das Darknet als Teil des Deep Web unterscheidet sich nun vom Deep Web einfach dadurch, dass es das Konzept der Unauffindbarkeit noch radikaler umsetzt. Das Darknet unterscheidet sich vom Deep Web nämlich dadurch, dass besondere „Werkzeuge“ notwendig sind, um sich hier zu „bewegen“.
Kennt man die Adresse einer Website, die von der Allgemeinheit nicht gefunden werden soll, dann kommt man im Deep Web mit Firefox, Chrome, Safari, Edge oder Explorer immer noch ganz gut zurecht. Im radikaleren Darknet funktionieren diese Browser aber nicht mehr.

Der bekannteste Browser für die Nutzung des Darknet heißt „Tor“.

Im Zusammenspiel mit dem Tor-Netzwerk ermöglicht dieses Programm einerseits die Anonymität des mit dem Darknet verbundenen Computers und andererseits die Anonymität der vom Computer angesteuerten Website.

Ein so genannter Rendevous-Server verbindet dabei den Kommunikationskanal zum Computer mit dem Kommunikationskanal zur Website und ermöglicht den Austausch von Daten ohne Preisgabe von Identität.

Mit illegalen Aktivitäten hat das im Allgemeinen nicht immer zu tun. Eine der beliebtesten Websites im Darknet ist Facebook mit rund 1 Mio. regelmäßigen Besucher(inne)n. Facebook ist in China, dem Iran und Teilen Afrikas nicht anders zu erreichen.

Und die am meisten besuchten Adressen im Darknet sind ebenfalls alles andere als illegal.

An erster Stelle findet man hier die bereits erwähnte „Facebook over Tor“-Website. Gefolgt von der Hidden-Wiki-Website, einer Sammlung von Wiki-Artikeln und Links aus dem Tor-Netzwerk. Den nächsten Platz nimmt das für das Darknet konzipiert Informationsangebot der „New York Times“ ein, gefolgt von der Darknet-Präsenz eines Bitcoin-Anbieters und der Tor-Ausgabe der Suchmaschine DuckDuckGo, die ja auch im normalen Internet nicht ganz unbekannt ist.
Im Ranking der meistbesuchten Darknet-Websites findet man auf Platz 10 die Website einer us-amerikanischen Plattform für investigativen Journalismus namens Propublica.

Weniger besucht, aber ebenfalls im Darknet zu finden sind die Whistleblower-Plattformen Wikileaks, Freedom of Press Foundation, GlobalLeaks, SecureDrop und viele andere.

Burkhard Heinz

mediatpress®

Quellen:
Chip a
Chip b
Sonntagmorgen
Tor bei Wikipedia
Propublica

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder. Anders ist das auf meinem eigenen Blog.

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