Saubere Autos sind eine Lüge
Aktion zur Lobbyparty der Autoindustrie

Aktivisten von Robin Wood spannen ein Banner Foto: © M. Seehoff
Aktivisten von Robin Wood spannen ein Banner vor dem Austragungsort des Automobilgipfels
Foto: © M. Seehoff

Anlässlich des vom Handelsblatt ausgerichteten Auto-Gipfels am 25.10.19 haben etwa 200 Klimaaktivisten am Porsche-Museum gegen die Autoindustrie demonstriert. Das Aktionsbündnis Kesselbambule hatte unter dem Motto „Die Lobbyparty der Automobilkonzerne crashen – Klimagerechtigkeit statt Greenwashing!“ zu Blockaden des Auto-Gipfels aufgerufen.

Robin Wood unterstützt die Aktion mit seinen Kletterern

Als der Demonstrationszug vom S-Bahnhof Zuffenhausen am Porscheplatz eintrifft, klettern Umweltaktivisten der Gruppe Robin Wood auf zwei Laternenmasten, spannen ein Seil und enthüllen ein Transparent mit der Aufschrift „Saubere Autos sind eine dreckige Lüge“. Die Demonstranten kritisieren die Automobilbranche dafür, Treibhausemissionen nicht ausreichend zu reduzieren und weiterhin Autos mit hohem Ausstoß zu produzieren.

Hauptredner ist Jürgen Resch von der DUH
Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH), Jürgen Resch Foto: © M. Seehoff
Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH), Jürgen Resch
Foto: © M. Seehoff

Aber erst einmal wurden die Kritikpunkte durch den Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH), Jürgen Resch, vor dem Austragungsort vorgetragen. Resch kämpft seit langem mit seinem Verein gegen die Autoindustrie, die er des Betrugs an den Kunden anklagt (Stichwort Dieselskandal). Er führte mit der DUH auf juristischem Weg eine Reihe verwaltungsgerichtlicher Entscheidungen herbei, die zur Einhaltung der geltenden Richtwerte beitrugen. Zur Umsetzung waren einige Kommunen zur Ausrufung von Fahrverboten gezwungen.

Jürgen Resch führt in seiner Rede aus, dass die deutsche Automobilindustrie und die deutsche Politik die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt haben. Bislang gibt es von Seiten der Automobilindustrie immer noch keine breite Initiative, sich von fossilen Brennstoffen zu verabschieden. Im Vergleich dazu hebt er hervor, das Holland in Europa den Platz 1 in Sachen Elektroauto einnimmt. Unter den zwanzig meist zugelassen Elektrofahrzeugen ist kein einziges deutsches Model. Gleiches gilt für Busse. Der Trend zu Elektrobussen wird in Spanien, Polen und anderen europäischen Ländern vorangetrieben. China produziert mittlerweile 375 Elektrobusse pro Tag. Diese Zahl wird in Deutschland nicht einmal in einem Jahr erreicht!

Vorsprung durch Technik – Vorsprung durch Betrug

Mittlerweile, so Jürgen Resch, zeichnet sich die deutsche Automobilindustrie dadurch aus, dass sie einen Vorsprung durch Betrug erlangt hat, nicht durch Technik. 11 Millionen Dieselfahrzeuge müssten durch Hardware-Umrüstung umweltfreundlicher gemacht werden. Die Kunden warten seit Jahren darauf. Konkret fordert die DUH bis 2025 einen Stopp der Zulassung von Verbrennungsmotoren.

Der Stadtpanzer ist schwer im kommen

Hatte die Stadtpanzer im Jahr 1995 noch einen Marktanteil von lediglich zwei Prozent bei den Neuzulassungen, steigerte sich dieses Segment auf mittlerweile über 30 %. Wenn es so weiter geht, wird die Autoindustrie ihr selbstgestecktes Ziel, Autopanzer auf eine Neuzulassungsquote von 50% zu bringen – wie sie es auf diesem Autogipfel diskutiert – erreichen.

PS Wahn Foto: © M. Seehoff
PS Wahn
Foto: © M. Seehoff

Angesichts der weltweit sich verschiebenden Trends prophezeit Jürgen Resch, dass es der Automobilindustrie ähnlich ergehen wird, wie wir es schon in der Telekommunikation am Beispiel Nokia erlebt haben. Die Autoindustrie wird zur reinen Zulieferindustrie für andere Nationen verkommen. Bosch stellt sich auf diesen Trend schon mit massiven Abbauprogrammen ein. Das derzeitige Ingenieurwissen wird nicht mehr nachgefragt.

Junge Aktivisten artikulieren ihre Sorgen
Paula Bär von Kesselbambule Foto: © M. Seehoff
Paula Bär von Kesselbambule
Foto: © M. Seehoff
Kolja Schultheiß und Nisha Toussaint Teachout sprechen für Fridays for Future Foto: © M. Seehoff
Kolja Schultheiß und Nisha Toussaint Teachout sprechen für Fridays for Future
Foto: © M. Seehoff

Fundamentalere Sorgen treiben die jungen Aktivisten von Kesselbambule und Fridays for Future um. Sie haben ihre Zukunft im Blick und fürchten Schlimmstes, wenn nicht ein radikales Umdenken einsetzt. Sie schleudern den Teilnehmern des Autogipfels im Porschemuseum wütend entgegen: Sollen die Autobosse doch da bleiben, wo sie sich gerade befinden, im Museum, dort, wo die Vergangenheit ausgestellt wird.

Dem Eisbär wird es zu warm Foto: © M. Seehoff
Dem Eisbär wird es zu warm
Foto: © M. Seehoff

Über Maria Seehoff

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.