Fridays for Future
Säkularreligion?

In einem Kommentar für die Süddeutsche schreibt Matthias Drobinski über „Fridays For Future“. Er gibt seinem Text die Überschrift „Wenn Protest zur Säkular-Religion wird“.

Auf der Welt protestierten am vergangenen Freitag Millionen Personen gegen den planetarischen Raubbau und die drohende Klimakatastrophe. „In New York laden die Vereinten Nationen zum Klimagipfel, und Greta Thunberg, die Prophetin wider Willen aus Schweden, wird den Mächtigen zurufen: Bekehrt euch!“

Die „säkulare Erweckung“ scheint in vollem Gang und sogar die Gegner des Protests greifen ungeachtet der wissenschaftlichen Erkenntnisse, auf die sich der Protest stützt, in die Religionskiste und schimpfen auf die „Klimapfaffen“.

Und tatsächlich ist es nicht nur Wissenschaftliches, was hinter den „Fridays“ steht, sondern auch „apokalyptische Angstlust“, wie es Drobinski ausdrückt.

Heiße Sommertage werden zu Vorboten des Weltuntergangs, Fleischkonsum reiht sich ein in eine Indizienkette, die den Schuldigen auch ohne Richterspruch zum Verurteilen macht und derjenige, der sein Urlaubsziel im Ausland mit dem Flugzeug erreichen will, wird zum fünften apokalyptischen Reiter.

Erlösung scheint ohne Buße, Verzicht und Vergeistigung nicht möglich. „Die Ritualisierung des Protests hat ihre Gefahren, angefangen bei der Aufteilung der Welt in Erlöste und Verdammte,“ schreibt Dobrinski. Aber „ohne visionären Eifer und ohne Überzeugte, die den Teufel an die Wand malen, damit endlich was passiert, gibt es keine Bewegung. Die Vorstellung, dass Rationalität alleine zur Veränderung führt, ist irrational.“

Erst die Angst vorm Waldsterben habe dem Auto den Katalysator und den Fabriken die Schwefelfilter beschert. Und ohne die Angst vor Hautkrebs hätte man sich international wohl kaum zu einem FCKW-Verbot durchringen können. Es ist also so schlecht nicht, wenn die „Fridays“ laut sind und moralisch.

Sie dürften aber nicht aufhören, so Matthias Dobrinski in seinem Kommentar sehr richtig, dem Zweifel zwischen sich stets einen Platz einzuräumen und die Wertschätzung gegenüber den „Halbgläubigen“ aufrecht zu halten, die (noch) nicht vollständig auf ihrer Seite und „bekehrt“ sind.

Süddeutsche Zeitung

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