Factchecking

Ohne Titel

Warum teilen Menschen Falschinformationen, Verschwörungsphantasien und andere missliebige Inhalte in den sozialen Netzwerken, fragt Claire Wardle in der neuesten Ausgabe von Scientific American. Wardle ist Expertin im Thema Falschinformationen.

Die Antwort ist so schwer nicht, meint Wardle, die außerdem Leiterin der regierungsunabhängigen Organisation First Draft ist, wo sie, wie viele andere auch, ehrenamtlich arbeitet.

Falschinformationen, Verschwörungsphantasien und andere Inhalte ähnlicher Art werden von Leuten verbreitet, die politischen Einfluss haben oder einfach nur Ärger machen wollen. Dass hier mitunter auch Geld im Spiel ist, soll erstmal unberücksichtigt bleiben.

Der Aspekt des Teilens, Likens oder Weiterleitens läßt sich ganz gut erklären durch den Umstand, dass die Leute nicht darüber nachdenken, was sie machen und welche Konsequenzen das hat. Die Kenntnis dieses Umstands ist ein wichtiges Motiv für die Leute, die Falschinformationen herstellen. Das Ziel besteht darin, dass die Nutzer:innen ihr eigenes soziales Vermögen dafür verwenden, einer Nachricht Nachdruck und Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Konsequenterweise stellt sich also die Frage, was kann man machen, damit die Leute im Moment des Teilens etwas weniger spontan handeln.

Dazu hat Paul Mena von der University of California eine Untersuchung durchgeführt, an der 501 Personen teilnahmen. Es stellte sich heraus, dass, unabhängig von der Weltanschauung der Befragten, markierte Beiträge, die also durch eine entsprechenden Warnung wie „umstritten“ oder ähnlich ergänzt worden waren, signifikant seltener als unmarkierte Beiträge geteilt wurden.

Entsprechende Markierungen gibt es bei Facebook seit dem Jahr 2017. Das Tochterunternehmen Instagram hat nun angekündigt, ebenfalls mit externen Faktencheckern zusammenarbeiten zu wollen. Den vielen unliebsamen Memes und Falschinformationen, die auch auf Instagram die Runde machen, soll auf diese Weise Einhalt geboten werden. Die Memes werden infolge des Faktenchecks zwar nicht gelöscht, aber vom eingesetzten Algorithmus abgewertet, so dass sie folglich auf schlechteren Positionen erscheinen.

Memes, so Claire Wardle von First Draft, werden allgemein nicht als typische Medien zur Verbreitung von Falschinformationen, Verschwörungsphantasien und Hass betrachtet, aber die Leichtigkeit, mit denen sie geteilt werden können, fördert deren Verbreitung und trägt sehr zu deren Effektivität bei. Als Ergebnis dieses Tests, der während des normalen Betriebs durchgeführt wird, erwarten Forscher:innen wichtige Hinweise über die Verbreitung von Memes, die, wie Claire Wardle bereits andeutete, anderen Gesetzen folgt als textbasierte Postings.

siehe auch

correctiv.org
poynter. org

Burkhard Heinz
mediatpress®

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder. Anders ist das auf meinem eigenen Blog.