Songwriting
Neil Young hat mit Trump nichts am Hut – Rockin‘ In The Free World

Neil Young – Rockin' In The Free World

Dieser Stampfer aus den Achtziger Jahren schreit danach, missverstanden zu werden. Rockin‘ In The Free World erschien 1989, am Ausgang des Kalten Krieges, und klingt mit seinem etwas dumpfen Refrain wie eine Durchhalteparole aus dem glorreichen Amerika an den Rest der Welt. Doch von dem Kanadier Young gibt’s keine plumpen patriotischen Fanfaren auf das Land Of The Free zu hören.

Rockin‘ in The Free World ist ein Statement Youngs zur Präsidentschaft des Republikaners George H.W. Bush. Der Text kritisiert die Regierung von George H. W. Bush. So wird dessen Bemerkung „thousand points of light“ aus seiner Inaugurationsrede direkt zitiert. Und er reflektiert darin die sozialen Probleme Amerikas, besonders drastisch geschildert in einer Strophe, die von einer jungen Frau handelt, die ihr neugeborenes Baby heimlich nachts in einer Mülltonne «entsorgt», besungen in den Zeilen:

There’s one more kid that will never go to school / Never get to fall in love, never get to be cool.

Und danach, trotzdem: Keep on rockin‘ in the free world. Bissig ist er bis in die Gegenwart geblieben, der unverwüstliche Young.

Donald Trump ist ein Fan von Neil Youngs Liedern

Donald Trump hat sich als großer Fan von Neil Young geoutet. Seine musikalische Untermalung enthielt im vergangen Wahlkampf unter anderem auch Songs von Neil Young. Vor allem dieser Song hat es ihm angetan.

Das Problem: Young wiederum ist absolut kein Fan von Donald Trump. Er distanzierte er sich öffentlich von dem Immobilienmogul und den von ihm vertretenen Werten und forderte ihn auf, Rockin’ In The Free World nicht mehr für seine Wahlkampfzwecke zu nutzen. Trumps Team gab nach. „Wir werden seinen Wunsch respektieren und es nicht mehr verwenden, weil dass das richtige Verhalten ist“, hieß es damals in einem Statement. Mal sehen, was Donald Trump in seinem aktuellen Wahlkampf so alles spielt, während er lächelnd seinen Fans entgegen tritt und die Nation mit seinen Statements spaltet.

Neil Young erwähnt Donald Trump nie

Neil Young prangert oft seinen Songs Missstände an, allerdings erwähnt er nie Donald Trump. Begründung: „Ich mag es nicht, seinen Namen in einem Song zu erwähnen“, sagte der vor allem im Umweltschutz engagierte Musiker. „Denn genau das wünscht er sich ja. Ich möchte ihn nicht auf diese Weise aufbauen.“

Auf seinem Album The Visitor vom Dezember 2017 hatte Young sich auch mit der politischen Lage in den USA unter Trump auseinandergesetzt. Dabei kritisierte er einen Politiker-Typus, der wie ein Gameshow-Moderator regiert, was viele als Anspielung auf Trump interpretierten.

„Am liebsten würde er jeden Tag drei Geschichten über sich in der Tageszeitung lesen und am besten stünden alle auf der Titelseite“, sagte Young einmal in dem Interview. „Darum geht es ihm. Er lebt in den Medien.“ Neil Young konstatiert, dass die mediale Präsenz Trumps sehr gut sei. „Nur leider macht er seinen Job auch sehr geschmack- und verantwortungslos. Der Rest der Welt leidet unter ihm.“

Rockin‘ In The Free World

There’s colors on the street
Red, white and blue
People shufflin‘ their feet
People sleepin‘ in their shoes
But there’s a warnin‘ sign
on the road ahead
There’s a lot of people sayin‘
we’d be better off dead
Don’t feel like Satan,
but I am to them
So I try to forget it,
any way I can.

Keep on rockin‘ in the free world,
Keep on rockin‘ in the free world
Keep on rockin‘ in the free world,
Keep on rockin‘ in the free world.

I see a woman in the night
With a baby in her hand
Under an old street light
Near a garbage can
Now she puts the kid away,
and she’s gone to get a hit
She hates her life,
and what she’s done to it
There’s one more kid
that will never go to school
Never get to fall in love,
never get to be cool.

Keep on rockin‘ in the free world,
Keep on rockin‘ in the free world
Keep on rockin‘ in the free world,
Keep on rockin‘ in the free world.

We got a thousand points of light
For the homeless man
We got a kinder, gentler,
Machine gun hand
We got department stores
and toilet paper
Got styrofoam boxes
for the ozone layer
Got a man of the people,
says keep hope alive
Got fuel to burn,
got roads to drive.

Keep on rockin‘ in the free world,
Keep on rockin‘ in the free world
Keep on rockin‘ in the free world,
Keep on rockin‘ in the free world.

Über Maria Seehoff

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.