FBI greift massiv in 5G-Überwachungsstandards ein

Antennenanlage
In den Streit europäischer Strafverfolger mit der Telekomindustrie um die Sicherheitsarchitektur der 5G-Netze greifen nun die USA massiv ein. Bereits auf der letzten Tagung Mitte Juli in Polen hatte das FBI 28 Änderungsanträgen vorgelegt. Die Telekoms sollen zur routinemäßigen Erfassung von möglichst vielen Metadaten verpflichtet werden, was ganz den Interessen der europäischen Behörden entspricht. Erstaunlich, dass auch Huawei mit von der Partie ist.

Huawei ist ein chinesisches Unternehmen, dem in den USA der Einbau verdeckter Hintertüren zu Spionagezwecken in seine Software vorgeworfen wird. Nun arbeitet eben dieses Unternehmen in einem internationalen Gremium an der Umsetzung von Hintertüren zur Überwachung mit, die nach den Vorgaben von Geheimdiensten und Strafverfolgern aus Europa und den USA entwickelt werden.

Grund für die Hast ist, dass die gerade erst gestartete nächste Version der 5G-Sicherheitstandards noch in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. In dieser Version werden alle bisherigen Sicherheitsmechanismen gewissermaßen technisch festgezurrt, dass sie großteils schwer bis kaum durch nationale Überwachungsgesetze rückgängig gemacht werden können. Das ist der Grund, warum hier Militärgeheimdienste wie das britische GCHQ, dessen schwedisches Gegenstück NDRE und andere mit reinen Polizeibehörden wie dem deutschen Bundeskriminalamt am selben Strange ziehen. An Daten, die von Netzbetreibern nicht erfasst und aggregiert werden, kommen auch hochdotierte Militärgeheimdienste in 5G-Netzen nicht mehr so einfach heran:

Für die Phase des sogenannten „Roll-outs“ wird nur standardisiert, was für das reibungslose Funktionieren und die Interoperabilität der Netze unerlässlich ist. Viele Parameter werden dabei ganz einfach nicht erfasst, weil sie optional sind und von den Netzbetreibern deshalb entweder erhoben oder ignoriert werden können.

Im urbanen Raum, wo ein Smartphone laufend von einer 5G-Funkzelle in die nächste wechseln wird, fällt eine enorme Menge an Metadaten an. Das Meiste davon ist für die Netzbetreiber irrelevant. Daher sortieren die Netzbetreiber so viel wie möglich dieser für sie irrelevanten Metadaten aus, um das Verkehrsaufkommen in ihren Netzen möglichst gering zu halten. Aber an diesen Daten sind die Geheimdienste interessiert!

Quelle: fm4.orf.at

Über Michael M.

Michael M. schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu Ereignissen, die ihn besonders bewegen und andere AnStifter anregen könnten. Auf seinem eigenen Blog schreibt er vor allem über die kleinen literarischen Ereignisse in Stuttgart.