Aha
Fahrradfahren als Zumutung?

Ohne Titel

In der Fahrrad-Zeitschrift velobiz.de-Magazin Nr. 8/19 finde ich auf der Seite 46 ein kleines Interview mit Michael Braungart, der sich im Bereich Umweltschutz mit seinem Konzept „Cradle to Cradle“ also „Ursprung zu Ursprung“ einen Namen gemacht hat.

Er hat damit klar gemacht, was ein echter Kreislauf von Materialien ist und wie Produkte hergestellt werden müssen, um nicht immer mehr und neue Ressourcen zu verbrauchen. Michael Braungart ist Professor an der Rotterdamer Erasmus-Universität.

In der erste Frage des besagten Inverviews wird Braungart danach gefragt, ob es übertrieben ist, die Fahrradbranche als mögliche Umweltretterin zu bezeichnen.

Seine Antwort: ja, das sei übertrieben, denn Fahrräder seien für die Umwelt eine Zumutung, die mit dem Abrieb von Reifen und Bremsen beginne. Ein Fahrradreifen beinhalte 470 unterschiedliche Chemikalien, und Silikon, Weichmacher und PVC in Sätteln und Griffen und Carbon im Rahmen seien vom Umweltgesichtspunkt her ebenfalls eine Zumutung.

Die sich auf Carbon-Recycling beziehende Nachfrage watsch Braungart mit dem Hinweis ab, dass es das nicht gebe. Was es gibt, ist das leidige Downcycling, bei dem Werkstoffe von hoher Qualität in minderwertiges Material umgewandelt werden. Schon bei der Herstellung ist Carbon noch energieintensiver als Aluminium, das aber wiederum bessere Recyclingeigenschaften habe als Stahl. Der Prozess des Downcycling sei auch in der Automobilindustrie sehr verbreitet, wo aus höherwertigem Autostahl minderwertiger Baustahl entsteht, obwohl man Stahl aus einer einzige Legierung herstellen könnte, um dessen Kreislauffähigkeit substanziell zu verbessern.

Leider werden, so Braungart, die Möglichkeiten der Digitalisierung bei der Organisation des Verkehrs viel zu wenig genutzt. Umweltfreundlicher als der Verkauf von Autos und Fahrrädern sei der Verkauf der Nutzung dieser Geräte. Und bei der Entwicklung in Sachen E-Antriebe würden viele Chancen nicht genutzt und viel zu oft alte Fehler wiederholt. Auch hier würden seltene Erden und Metalle verbraucht und nichts recycelt.

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.