Dokumentation
Eine Familie aus Köthen

Verwahrlosung

Vor 25 Jahren lief der erste TV-Beitrag. Die Kinder waren damals im Grundschulalter und schon verhaltensauffällig mit einem starken Hang zur Gewalttätigkeit. Sie haben nicht nur genervt, sondern auch terrorisiert. Ihre Verwahrlosung war nicht zu übersehen. Dazu gehörte dann eben auch eine ordentliche Portion Ausländerhass und Nazigehabe.

Seit dem hat sich nicht viel geändert. Alkohol und Drogenkonsum haben aus den nervenden Kids dann Angst verbreitende Jugendliche und straffällige Erwachsene gemacht.

Das alles in einer ostdeutschen Kleinstadt und mit einem Familiennamen, den man eigentlich nur mit Schokolade in Verbindung bringt.

Die Mutter, Karin R., musste mittlerweile ihre Wohnung räumen; in der Obdachlosenunterkunft hat sie in ihrem Spind nur das Nötigste. Sie schläft in einem Eisenbett, hat einen kleinen Tisch und einen Stuhl. Persönliche Einrichtungsgegenstände haben dort keinen Platz. In der Unterkunft darf sie nur zwischen 18 und 8 Uhr. Den Rest des Tages verbringt sie auf der Straße.

Mit ihrer eigene Situation ist sie alles andere als zufrieden. Sie schlafe schlecht, weil es unter der dünnen Steppdecke viel zu kalt sei. Sie drückt das auf die gewohnte ordinäre Weise aus, meint aber dasselbe. Dem Oberbürgermeister, der das alles veranlasst hat, ist klar, dass das alles keine normalen Zustände sind, aber das Verständnis für die Familie R. hat er schon vor etwas längerer Zeit verloren. Dass sie die Waschmaschine nicht verwendet und sich nicht mehr duscht, dafür hat Karin R. wieder einmal ihre ganz persönlichen Gründe, sagt der Bürgermeister ironisch.

Die Haltung des Jugendamtes ist mittlerweile eine ähnliche. Hier ist es die Beratungsresistenz, mit der man seit Jahren zu tun hat. Bedauern muss man da gar nichts mehr, wird von städtischer Seite gesagt.

Und diese multiple Verwahrlosungsthematik setzt sich auch in der dritten Generation fort. Die Enkelin von Karin R. hat Drogenerfahrungen, ist gewalttätig und raubt mit ihren Onkeln zusammen Obdachlose aus. Im Moment sitzen die drei deshalb im Gefängnis.

Dass sie nicht unbedingt einen guten Einfluss auf die Entwicklung ihrer Söhne gehabt hat, glaubt Karin R. nicht. Die sind selbst Schuld, sagt sie.

Über Mich

"Mich" ist ein Pseudonym, das eigentlich "Mir" heißen sollte. Als Personalpronomen. Aber da ist mir der Akkusativ mit dem Dativ durchgegangen. Alle Beiträge von mir - also von "mich" - geben nicht die Meinung der Anstifter und oft sogar noch nicht einmal meine eigene wieder.