„Parkland-Kids“

Robert F Kennedy during a ceremony celebrating his life on the 50th anniversary of his assassination

Scharfe Reden und grelles Outfit helfen bei der Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit. Der guten Sache ist damit erstmal geholfen. Erstmal, aber was kommt danach?

Unter dem Hashtag #NeverAgain mobilisierten die „Parkland-Kids“ so viele Schüler und Schülerinnen in Washington für ihren „March for Our Lives“ wie seit sehr langer Zeit nicht mehr. Unter ihnen Emma González, die die Anstifter 2018 gerne auf ihrer Friedensgala begrüßt hätten, um ihr den Stuttgarter Friedenspreis zu verleihen. Leider gelang es noch nicht einmal, mit Emma Kontakt aufzunehmen.

Dafür wurde sie und vier ihrer Mitschüler/innen von der nordamerikanischen Zeitschrift „Time“ durch die Aufnahme in die Liste der „100 einflussreichsten Amerikaner“ geehrt, einschließlich Laudatio von Barack Obama.

Das Leben wurde für die Aktivist/innen damit nicht einfacher. Die Waffenlobby schoss sich auf die jungen Leute ein, Politiker/innen machten sie zu Objekten ihrer Verbalattacken und Online-Trolle verspritzten im Internet ihre giftigen Lügen über sie. Schon kurz nach dem Aufflammen der Proteste gegen den Waffenmissbrauch schrieb González, dass sie gerne ein Baum wäre. Alles wurde etwas zu viel. Schnell war klar, dass die Sache, für die die „Parkland-Kids“ stritten, allen über die Köpfe zu wachsen drohte. Im Februar dieses Jahres, dem ersten Jahrestag des Massakers in Parkland, erinnerten viele Medien noch einmal an die zurückliegenden Ereignisse und Proteste. Ist das aber alles schon wieder Vergangenheit, obwohl es nach Parkland noch viel zu viele weitere Amokläufe gegeben hat?

Nein, nur schwach erinnerte Vergangenheit ist der waffenkritische Protest nicht. Fast die Hälfte der Bundesstaaten erlies mittlerweile neue und etwas strengere Waffengesetze. Und ganz „unschuldig“ an der demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus sind die Parkland-Kids sicher auch nicht. Und kennt jemand den 18-jährigen Charlie Mirsky? Er ist in Washington der erste offizielle Lobbyist der Waffenkritiker/innen.

Der Protest gegen die lasche us-amerikanische Waffengesetzgebung mag etwas abgeflaut sein, aber im Stillen hat sich ein zäher, glanzloserer Kampf abseits von Fernsehkameras, Radiomikrophonen und Schlagzeilen etabliert, ein Graswurzel-Aktivismus. Über seine Auswirkungen heißt es im Spiegel: ‚Bei den Kongresswahlen 2018 lag die Wahlbeteiligung der 19- bis 21-Jährigen so hoch wie seit 1982 nicht mehr. Von US-Teenagern gepushte Belange wie das linke Klimaprogramm Green New Deal, die US-Einkommensungleichheit und eine neue Gesundheitsreform sind vom Rande mitten in die Debatte gerutscht und werden große Themen im Wahlkampf 2020 sein.‘

Was aber auch bleibt, sagen die „Parkland-Kids“, ist die Angst.

Siehe auch Der Spiegel

Über Mich

"Mich" ist ein Pseudonym, das eigentlich "Mir" heißen sollte. Als Personalpronomen. Aber da ist mir der Akkusativ mit dem Dativ durchgegangen. Alle Beiträge von mir - also von "mich" - geben nicht die Meinung der Anstifter und oft sogar noch nicht einmal meine eigene wieder.

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