Proteste, gestern

Mit dem Protestieren kommt man heute, ich meine gestern, nicht mehr hinterher. Da gehen Tausende in London auf die Straße und protestieren gegen den nordamerikanischen Präsidenten. Weil der die Demonstranten nicht sieht – aus was für Gründen auch immer – twittert er, dass entsprechende Meldungen „fake news“ seien.

In New York war Mark Zuckerberg in einer ähnlichen Situation. Die Menge der Protestierenden blieb mit 125 zwar sehr übersichtlich, die erforderliche Aufmerksamkeit bekamen die Menschen, die sich vor dem Firmensitz von Facebook auf den Boden legten, aber trotzdem. Einfach dadurch, dass sie auf Kleidung verzichteten, also ihr Anliegen nackt vorbrachten. Es ging den Männern und Frauen um die von Facebook praktizierte Zensur von weiblichen Brustwarzen im Besonderen und Nacktheit im Allgemeinen. „In einem offenen Brief an Facebook forderten die Aktivisten, dass die Richtlinien bezüglich Abbildungen von Nacktfotos gelockert werden sollten. Über 250 bekannte Künstler, Museen und Kunstorganisationen haben den Brief unterschrieben“, so Watson.de. Eine ähnliche Protestform wählten zwanzig Jugendlichen zum Abschluss der Veranstaltung „Jugend und Parlament“ während der Rede von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Ihre Kleidung behielten sie zwar an, stellten sich aber tot, um gegen die aktuelle Klimapolitik zu protestieren. Siehe auch pic.twitter.com/5MQRgy1EuF #ExtinctionRebellion #Bundestag #Klimanotstand #EndeGelaende #niemehrcdu #noafd pic.twitter.com/VZZOCK7zQv Einen sogenannten Zwergenaufstand, auf den hier nicht weiter eingegangen werden soll, fand etwa gleichzeitig als eine PR-Kampagne für den Fußballklub VfB 03 Hilden statt. Aber das ist nun wirklich vollkommen irrelevant. Aber selbst so eine Aktion würde man in China fürchten, wenn sie sich auf den städtischen Platz beziehen würde, der vor 30 Jahren Schauplatz von Protesten und deren brutaler Niederschlagung war. Alleine in Hongkong gedachten 10-tausende dem Massaker auf dem „Platz des himmlischen Friedens“. Übrigens sollen im Jahre 1989 einige der wieder einmal „ganz fortschrittlichen Kräfte“ in Deutschland nichts gegen das Vorgehen der chinesischen Regierung einzuwenden gehabt haben. „Das Politbüro der SED bekundete unverzüglich seine Solidarität mit der chinesischen Entscheidung, dem „konterrevolutionären Aufruhr“ militärisch ein Ende zu bereiten“ – aber das nur am Rand.(b)

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