EU-Recht
StopSpyingOnUs

Es geht um Echtzeit-Auktionen von Internetwerbung.

Was ist das denn schon wieder?

Das ist Werbung, über deren Platzierung in Bruchteilen von Sekunden entschieden wird. Genauer gesagt, innerhalb von 120 Milisekunden.
Die Platzierung erfolgt einerseits unter Berücksichtigung der aufgerufenen Website und andererseits unter Berücksichtigung der Informationen, die über eine Person vorliegen, die eine Website besucht.

Das geht ungefähr so.

Ein Verlag richtet auf seinen Websites Flächen ein, die für Werbeeinblendungen genutzt werden können, und meldet diese Flächen einem Bietersystem für Internetwerbung. Kommt jetzt eine Person auf eine entsprechende Website, dann bieten unterschiedliche Werbetreibende für eine Werbeeinblendung und machen damit deutlich, wieviel Interesse sie an dieser Person als potenziellem Kunden haben. Wenn 10 Personen dasselbe Nachrichtenportal (mit denselben Meldungen) aufrufen, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass alle 10 auch dieselbe Werbung sehen.

Und woher kommen diese persönlichen Informationen?

Ganz einfach, es sind kleine Textdateien, die die Webbrowser – Chrome, Firefox, Safari, Explorer,… – der meisten Internetnutzer/innen ganz automatisch (oder neuerdings nach einer kurzen Frage) auf den Computern der Surfer/innen speichern. Mit Hilfe dieser Cookies versuchen Werbetreibende nun Alter, Geschlecht und Interessen der Surfer/innen herauszubekommen, um besser entscheiden zu können, wem wann welche Werbung eingeblendet wird.

Und jetzt?

Jetzt ist es so, dass „verhaltensbasierte Internetwerbung“ gegen die EU-Datenschutzverordnung verstößt. Und deshalb hat jetzt ein Dutzend Bürgerrechtsorganisationen Beschwerde bei der EU gegen das gesamte System aus Real Time Bidding, Retargeting und Microtargeting eingelegt. Es sei nicht hinzunehmen, dass persönliche Daten wie Browserverlauf, Standort, sexuelle Orientierung, Alter, Geschlecht, Meinungen und Interessen zu Werbezwecken an Tausende von Firmen übertragen werden.

In einer Pressemitteilung von Digitalcourage erklärt
Elisabeth Niekrenz, Juristin und politische Referentin der Digitalen Gesellschaft: „Das Ausmaß an intimsten Informationen, die beim Surfen entstehen und über deren weitere Verwendung Internetnutzerinnen und -nutzer jede Kontrolle verlieren, ist immens.“
„Das Internet ist nicht dafür da, um Menschen auf Schritt und Klick zu überwachen“, sagt Friedemann Ebelt von Digitalcourage. „Google- und Co. nutzen ihre Macht aus, um unter dem Deckmantel der Werbung Menschen heimlich zu durchleuchten. Mit unserer Beschwerde wollen wir das stoppen.“

https://digitalcourage.de/pressemitteilungen/2019/pm-beschwerde-google-werbung

https://digitalcourage.de/blog/2019/beschwerde-real-time-bidding

#StopSpyingOnUs

Burkhard Heinz
mediatpress®

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.

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