Kick oder Kack
Ungoogleability

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Von der nordamerikanischen Autorin Linda Besner stammt der Begriff der „Ungoogleability“. Sie bezieht sich damit auf einen Umstand, der sich über die Eingabe in der Suchmaschine nicht klären läßt und einem Impuls folgt, der aus der Erfahrung entstanden ist, dass vieles, was man nicht weiß, Klärung findet, nachdem man es „gegooglet“ hat. Dass letztlich nie Google selbst die Unwissenheit beseitigt, sondern der Inhalt einer oder mehrerer in der Ergebnisliste präsentierten Internetadressen, ist (für Google) nebensächlich. 

Was sind aber Fragen, die ungooglebar in dem Sinne sind, dass nach ihnen zwar gesucht, ein (klärendes) Ergebnis aber nicht erwartet werden kann?

 

 

Linda Besner schildert eine Situation, in der sie über das Aussehen ihrer Großmutter nachdenkt, sich fragt, ob diese sich einer Schönheitsoperation unterzogen habe und reflexartig daran denkt, diese Frage zu googlen. Ein typischer Fall von Ungoogleability.

Aber was passiert, wenn man die Suchmaschine genau mit dieser Frage füttert? Sie spuckt weder etwas über die Großmutter, noch irgendetwas aus, was der Beantwortung der eigentlichen Frage dienlich wäre.

Ausgespuckt werden Webadressen*, die etwas mit Schönheitsoperationen zu tun haben:

◦ die Realität von Schönheitsoperationen in – Achtung, was liegt näher? – Südkorea (1. Eintrag)
◦ Schönheitsoperationen: Instagram-Star täuscht seine Fans (2. Eintrag)
◦ Vor Vampiren wird gewarnt (3. Eintrag)

Und zum Thema Schönheitsoperationen ist es erst der neunte Eintrag, der das Thema anhand eines Wikipedia-Textes etwas sachlicher oder sinnvoller behandelt. Und erst hier gibt es den Vermerk, dass das Wort „Großmutter“ keinen Einfluss hatte bei der Nennung dieses Treffers. Aber wie erklären sich diese seltsamen Ergebnisse? Auf Platz 13 heißt es

◦ Alt mit Humor: Originelle Verse, Witze und Ideen.

Man hat das Gefühl, dass jeder (oder fast jeder) Achtklässler – unabhängig davon ob Junge oder Mädchen – die hier gestellte Frage besser beantworten und dabei auch noch wesentlich weniger Energie verbrauchen würde als Google. Die Erklärung dafür ist leider einfach: Googles Wahrheiten drücken sich nicht in Wissen aus, sondern in Nutzerverhalten. Wahr ist nicht was richtig ist, sondern wahr ist, was viel geklickt wird. Und umgekehrt: das, was wenig oder nicht geklickt wird, ist (im Sinne Googles) nicht nur nicht wahr, es existiert gar nicht.

(*Der Text stammt vom März 2019. Wenn ich die Suche heute wiederhole, sind die Ergebnisse etwas andere. Den genauen Wortlaut der Suche weiß ich leider auch nicht mehr.)

Burkhard Heinz
mediatpress®

Über Burkhard Heinz

Ich bin geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die hier von mir erscheinenden Beiträge geben nicht die Meinung der Anstifter wieder und stehen lediglich in einem thematischen Verhältnis zu meinen unternehmerischen Aktivitäten. Es sind daher vor allem um Sachlichkeit bemühte Beiträge, die sich mit den Themen Medien und Kommunikation beschäftigen.

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