Friedenspreis
Aslı Erdoğan über ihre aktuelle Situation

© Gürcan Öztürk

Unser Friedenspreisträgerin Aslı Erdoğan über Folter und ihr Schreiben:

Es ist erschreckend, wie schnell man bereits nach wenigen Tagen allein in einer Zelle abbaut. Die Augen werden schlecht. Die Sprache ist stark eingeschränkt. Die Muskeln bilden sich zurück. Alles in dir vertrocknet. So wird deine Persönlichkeit nach und nach gebrochen. Ich habe acht Tage in Isolationshaft erlebt, die waren schlimmer als all die anderen Monate im Gefängnis.
… Ich kämpfe um jedes Wort. Während du diesen Horror erlebst, denkst du, du wirst das nie vergessen. Und das stimmt. Das wirst du nie. Dein Körper schützt dich aber später, und du kannst dich zum Beispiel nicht an chronologische Abfolgen erinnern. Auch Gefühle sind wie mit festen Wolken ummantelt. Es ist sicher nicht mein bester Essay, ich habe beim Schreiben zu sehr gelitten.

Das ganze  Interview mit ihr im Spiegel hier nachzulesen.

 

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.