Abgehört

Siri und Alexa
Die Damen Siri und Alexa immer zu Diensten

Mancher outet sich als Nutzer eines Sprachassistenten. Ein unbekümmerter Einsatz jedoch sollte nicht zur Nachahmung empfohlen werden.

Wir wissen doch, dass Datenschutz und Internet so gut zusammen passen wie Fischstäbchen und Vanillesoße. Viele gehen unbekümmert mit ihren Daten um, sind dann allerdings empört, wenn die großen Player in der Informationstechnologie diese Informationen unbekümmert behandeln. Wir wissen, dass Amazon mithört, wenn man Alexa nutzt ebenso Apple bei der Nutzung von Siri.

Amazon wertet Aufzeichnungen von »smarten« Lautsprechern aus, um so angeblich die Spracherkennung der digitalen Assistentin Alexa zu verbessern. Das ist allerdings nicht das eigentliche Problem – auch Google und Apple verfahren so, um ihre immer noch nicht allzu schlaue Künstliche Intelligenz zu trainieren. All das könnte man wissen, wenn man sich mit Dingen wie AGB und Privatsphäre-Einstellungen (in denen man der Sprachauswertung widersprechen kann) beschäftigen würde. Aber wer tut das schon, wenn er einen Sprachassistenten kauft?

Es ist bekannt, dass mindestens bis 2018 die Unternehmen Zugriff auf Adressen, Telefonnummern und sogar Telefon- und E-Mail-Kontakte von Kunden hatten. Und heute?

Ob das reine Mithören (anonymisiert oder nicht) weniger bedenklich ist, ist eine andere Frage. Die digitalen Assistenten fühlen sich nicht selten irrtümlich angesprochen und aktivieren unbemerkt den »klugen« Lautsprecher. Dabei können sie auch schon mal Gesang unter der Dusche mitbekommen oder die Diskussion über eine anstehende Demo der AnStifter.

Wann werden die neuen Technikspielzeuge staatliche Begehrlichkeiten wecken? Laut einem Gesetzentwurf des Innenministeriums sollen BND und Verfassungsschutz die Möglichkeit erhalten, direkt auf Aufzeichnungen zuzugreifen, ohne wie bisher US-Behörden um Amtshilfe bitten zu müssen. Wer sich allerdings freiwillig ein Abhörgerät als Statussymbol ins Wohnzimmer stellt, den dürfte auch das nicht groß stören.

Über Maria Seehoff

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.