Facebook
Laut, draufhauend, rüpelhaft

In einem jüngeren Text auf Meedia.de kommentiert Stefan Winterbauer die Auslassungen des Bürgermeisters einer baden-württembergischen, traditionsreichen Universitätsstadt und nennt im letzten Teil seiner Auslassungen einige Zahlen, die die Funktionsweise der sozialen Netzwerke illustrieren.

Mit seinem ersten Posting, in dem er u.a. fragt, welche Gesellschaft denn in der Werbung der Bahn abgebildet sein soll, provoziert der Bürgermeister innerhalb von nur 24 Stunden fast 5.000 Kommentare und generiert beinahe 2.000 Interaktionen (Shares und Likes). Das ist sehr viel. Auf sein Posting antwortet das Personentransportunternehmen „unsere“.
Jetzt reagiert das Stadtoberhaupt mit einer Replik, die im Fachjargon als Follow-up bezeichnet wird. Und wieder sind es, so Stefan Winterbauer in seinem Kommentar, in 16 Stunden knapp 4.000 Kommentare und über 2.000 Interaktionen. Auch infolge des dritten Beitrags des Baden-Württembergers kommen sehr hohe Kommentar- und Interaktionszahlen zustande.
Um diese Zahlen noch besser einschätzen zu können, muss man sich ansehen, welche Zahlen das Posting der Grünen zur rassistischen Facebook-Aktivität ihres weit über die Region bekannten Mitgliedes erreicht; nämlich nur 116 Kommentare und 516 Interaktionen in den ersten 16 Stunden.
Der „grüne Sarazzin“, wie die Stuttgarter Nachrichten ihn schon einmal genannt hat, ist nicht dumm. Er kennt sich auch mit dem Internet aus und weiß, wie er es einsetzen muss, um hohe Zahlen zu machen. Sein erstes Posting auf Facebook zur besagten Werbung beginnt nicht zufällig mit dem Satz: “Der Shitstorm wird nicht vermeidbar sein.“ Wäre es nicht toll, so fragt Stefan Winterbauer, wenn der grüne Bürgermeister seine „Social-Media-Reichweite nicht für dämlich Aktionen oder provozierenden Populismus“ nutzen, sondern für Sinnvolleres einsetzen würde? Wäre es, ja, aber seine Reichweitenzahlen wären dann nicht so hoch, denn, so Winterbauer, „das Social Web belohnt die Lauten, die Draufhauer, die Rüpel. Die Leisen, die Differenzierten werden viel weniger wahrgenommen“.

Burkhard Heinz
mediatpress

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.

Ein Gedanke zu „Facebook: Laut, draufhauend, rüpelhaft

  1. Der Artikel kommt also zu folgendem Schluss:
    „Anders gesagt: Eine hohe Social-Media-Reichweite ist kein Ausweis für eine hohe inhaltliche Qualität, eher das Gegenteil ist der Fall. Boris Palmer ist der lebende Beweis.“

    Wenn das richtig wäre, und ich neige der Aussage zu, sollten die Anstifter nicht dann überlegen, bei einem wenig attraktiven Web-Auftritt zu bleiben und sich von den Social-Media-Kanälen fern halten??

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