Lässt sich der Reifegrad einer Gesellschaft an der Brillanz ihrer Satire ablesen?

"Was darf Satire?", fragte weiland Kurt Tucholsky
„Was darf Satire?“, fragte weiland Kurt Tucholsky

Dieser Frage geht ein lesenswerter (auch hörenswerter) Artikel von Deutschlandfunk Kultur nach. Verfasst hat ihn der Philosoph und Publizist Christian Schüle. Darin konstatiert er, dass in der „Kampfzone Deutschland“ die Degenerierung der Satire zur armseligen Witzigkeit erfolgte.

Er vermisst die „Herrschafts- und Gesellschaftskritik auf doppeltem Boden, mutig, aufklärerisch, emanzipatorisch“, die heute politisiertem Gesinnungsmoralismus gewichen ist und zur  vulgäre Massen-Unterhaltung geworden ist: „Alltags-Schmunzeleien mit Genital-Humor gern unterhalb der Beschämungsgrenze.“

Satire, so meint Christian Schüle, ist heute größtenteils „Bloßstellungsentertainment wie in der heute-show, wo Politiker konsequent der Lächerlichkeit preisgegeben oder durch heitere Interviewer vorgeführt werden. Das ist unerhört simpel und letztlich ein wenig dämlich.“

Auch mir fehlt der Menschenfreund Hans Dieter Hüsch, der mit seinem feinsinnigen Humor nie jemanden bloß stellte und trotzdem politisch höchst brisant war.

Ich empfehle, diesen aufschlussreichen Artikel nachzuhören oder nachzulesen unter DRadio Kulur.

Über Michael M.

Michael M. schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu Ereignissen, die ihn besonders bewegen und andere AnStifter anregen könnten. Auf seinem eigenen Blog schreibt er vor allem über die kleinen literarischen Ereignisse in Stuttgart.