Initiative #verlagegegenrechts erringt Erfolg

Krimischriftstellerin Zoë Beck ist Mitbegründerin der Initiative Verlage gegen Rechts
Krimischriftstellerin Zoë Beck ist Mitbegründerin der Initiative Verlage gegen Rechts

Eine Vereinigung von 45 unabhängigen Verlagen tritt für Toleranz und Weltoffenheit ein und positioniert sich gegen rassistisches, antifeministisches und homofeindliches Gedankengut rechter Verlage. Mitgegründet wurde die Initiative von der Krimischriftstellerin und Verlegerin Zoë Beck, die im Rahmen der Kriminächte Stuttgart am 7. März in der Stadtbibliothek Bad Cannstatt las und in der Diskussion von ihrem Engagement berichtete. (Ausführlicher Bericht siehe hier).

In ihrem Gründungsmanifest schreibt die Inititiative #verlagegegenrechts:

Wir, die unterzeichnenden Verlage, Initiativen und Einzelpersonen, stehen für eine offene Debatte, einen Streit um die richtigen Ideen, um die Gesellschaft voranzubringen. Wir treten für die Teilhabe möglichst vieler Menschen an Literatur, Kultur und Bildung ein. Dabei spielt es keine Rolle, welche Herkunft, Sprache, sexuelle Identität und Orientierung oder Religion jemand hat. Wir wehren uns gegen die Ausgrenzung von Menschen aus diesen Gründen in jeder Form – politisch, sozial oder kulturell.

Mittlerweile haben sich dieser Initiative weiter 40 Verlage angeschlossen sowie 180 Einzelpersonen. Auch der PEN, der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V., der Verband deutschsprachiger Übersetzer und die Böll-Stiftung unterstützen den Aufruf.

Auch im Vorfeld der Leipziger Buchmesse ist die Vereinigung Verlage gegen Rechts aktiv geworden. Ein Ausschluss von Verlagen kann aufgrund des Messecharakters nicht ausgesprochen werden. Die Leipziger Buchmesse ist ein Marktplatz, an dem sich erst einmal alle beteiligen können. Messedirektor Zille hatte erklärt, dass Verlage aus dem rechten Spektrum ebenso in Leipzig ausstellen dürften wie alle anderen Kunden auch, solange sich die Publikationen im Rahmen der Gesetze bewegen. Die Buchmesse sei der Meinungsfreiheit verpflichtet.

Nun hat die rechtsgerichtete Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) ihre Teilnahme an der Leipziger Buchmesse zurückgezogen. Dem Direktor der Leipziger Buchmesse warf Dieter Stein, Geschäftsführer der Jungen Freiheit, vor, mit der von linksradikalen Verlagen initiierten Aktion „#verlagegegenrechts“ zu kooperieren. Als Begründung führte die JF an, durch eine einseitige und ungünstige Standplatzierung in einem von der Messe konstruierten „rechtsextremen Block“ von Verlagen, sei eine Messeteilnahme absolut rufschädigend und wirtschaftlich sinnlos.

Derweil ist der Streit um die Teilnahme an den Buchmessen in eine neue Runde eingetreten: Nachdem eine vom Dresdner Buchhaus Loschwitz initiierten „Charta 2017“ vor einer „Meinungsdiktatur“ warnte, hat eine Schriftstellergruppe einen Gegenaufruf gestartet, die der Charta 2017 „verbale Entgleisungen“ vorwarf. Die beiden prominenten Vertreter der Initiativen, Uwe Tellkamp für die Charta 2017 und Durs Grünbein vom Gegenaufruf trafen am 22. März 2018 in Dresden aufeinander und debattierten im Dresdner Kulturpalast vor 700 Zuhörern. Über die Debatte der beiden renommierten Dresdner Schriftsteller hat die Wochenzeitung Die Zeit ausführlich berichtet, sie ist hier dokumentiert. Eine Videoaufzeichnung der gesamten Debatte hat die Sächsische Zeitung hier veröffentlicht.