SWR2 Zeitgenossen
André Heller

Andrè Heller im Gespräch mit Claus Heinrich (Bildschirmfoto SWR2)

Besonders hervorzuheben ist, was dieser Künstler über den Süden zu sagen hat. Für mich ist es ein großes Glück, von diesem Begriff der Glücksluft erfahren zu haben. Ich mache seitdem die Erfahrung, dass meine Aktivitäten, wenn ich sie mit Glücksluft umgebe, leichter gelingen und mehr Freude machen. (Das ganze Interview hier.)

Ich zitiere ab Minute 37:

Glücksluft (André Heller)

Moderator: „Im Süden ist es nicht so populär, das Leidenwollen. Was ist da anders?“

André Heller: „Es gibt speziell in den deutschsprachigen Ländern das, was ich den Kult der schlechten Laune nenne. Das ist was ganz gefährliches. Wenn ich in Italien oder Marokko herumgehe und sage, erkennt mich jemand, dann sagt er: ‚Was haben Sie vor als nächstes?’

Dann erzähl ich und dann sagt er: ‚Das ist doch herrlich, das ist doch schön, das wird gut gehen. Sie können das ja’.

Wenn ich hier gehe, sagen die Leute: ‚Ah, da trauen Sie sich aber wieder was, hoffentlich geht’s gut, ich wünsche Ihnen, das es gut geht.’

Das ist ganz anders, eine andere Grundeinstellung. Das heißt für jemanden wie mich gibt’s im deutschsprachigen Raum zwar Erfolg und Anerkennung aber es gibt keine Glücksluft. Und für mich war der Süden immer Glücksluft. Etwas, das mich leichter macht, wo ich begabter bin, wo es mir leichter fällt, mit mir selber befreundet zu sein.

Auch was ganz wichtiges: Es gibt ja Leute, die wachen mit einem Feind auf und schlafen mit einem Feind ein. Man kann sich vorstellen, wie unverwunderlich es ist, wenn der dann eines Tages mit einem Krebs aufwacht oder einer Depression. Also für mich ist der Süden mehr ein Lebensgefühl, das mir Ermutigung ermöglicht.“