Skandal im Feuilleton!

Das politische Buch

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) setzt seine Zusammenarbeit mit der Jury „Sachbücher des Monats“ aus. Grund: In der Juni-Ausgabe sei mit „Finis Germania“ von Rolf Peter Sieferle ein Titel empfohlen worden, der für NDR Kultur nicht tragbar sei. Das Buch enthalte rechtslastige Verschwörungstheorien, von denen sich NDR Kultur entschieden distanziere.

Was führte zu diesem Feuilletonskandal?

In der aktuellen Ausgabe der monatlich vom NDR veröffentlichten Empfehlungsliste fand sich plötzlich neben seriösen Publikationen auch Rolf Peter Sieferles Essayband „Finis Germania“. (Der lateinische Genitiv schreibt vor, dass es Finis Germaniae heißen müsste, meint der ex-katholische Messdiener Michael M.)  Das Buch gilt als politisches Vermächtnis des Historikers, der sich im Herbst vergangenen Jahres das Leben genommen hat. Erschienen ist es bei Antaios (Michael Weingarten hat in einem Vortrag des Hannah Arendt Instituts über diesen Verlag berichtet), einem Verlag, der mit seinen Veröffentlichungen gezielt das Publikum der Neuen Rechten zwischen „Konservativer Revolution“ und „Identitärer Bewegung“ anspricht. (Siehe auch hier.)

Bei „Finis Germania“ handelt es sich nach Ansicht der anderen Jurymitglieder nicht nur um ein schlechtes Buch sondern es enthalte möglicherweise sogar strafrechtlich relevante Passagen und ist zutiefst von antisemitischen Vorstellungen getränkt.

Mittlerweile ist der Spiegel-Kulturredakteur Johannes Saltzwedel, der das Buch durch Stimmenkumulation auf die Liste hievte, aus der Jury ausgetreten.

Hintergrundwissen

Seit mehr als 15 Jahren veröffentlicht NDR Kultur gemeinsam mit der „Süddeutschen Zeitung“ und dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels die Empfehlungen der unabhängigen Jury „Sachbücher des Monats“. Dem Gremium gehören renommierte Wissenschaftler sowie Autoren und Redakteure großer Medienunternehmen in Deutschland an (25 Personen). In einem Punkteverfahren werden in der Jury vorgeschlagene Bücher bewertet und die ersten zehn Plätze veröffentlicht. Zu den Büchern werden kurze Kritiken geschrieben. Zusätzlich zu den zehn Büchern wird monatlich wechselnd von einem der Juroren ein Buch mit einer besonderen persönlichen Empfehlung versehen. Die Veröffentlichung erfolgt in der Süddeutschen Zeitung, im Norddeutschen Rundfunk, Buchjournal, Börsenblatt und in Telepolis.