Perfektionismus? Beim Wäscheaufhängen oder wie?

Selbstverständlich ist es nicht einfach Bundeskanzlerin, Präsidentin, Ministerin, Abgeordnete oder Parlamentarierin zu werden. Für Frauen gilt das ebenso wie für Männer. Die Straße meint zwar, wie immer, dass sie alles besser kann, aber wenn viele Wege nach Rom führen, kann man sich schon mal ziemlich verlaufen, wenn man nach Backnang will.

Das Kreuz, das Martin Schulz bei der diesjährigen Bundestagswahl zu tragen hat, ist, darüber braucht man nicht zu streiten, besonders schwer, denn seine Hype war nach drei verlorenen Landtagswahlen nahezu verflogen. Als wirklich große Kämpferin aber – und das ist Schulz vielleicht – zeichnet man sich zumindest im Fussball dadurch aus, dass man auch dann noch hinter dem Ball herrennt, wenn man diesen soeben an die gegnerische Mannschaft verloren hat. Im Moment versucht der SPD-Kanzlerkandidat genau das: sich den Ball wiederzuholen, indem er, der nicht einmal Mitglied des Bundestages ist, in dieser Woche den Bundestag über die „Ehe für alle“ abstimmen läßt. Schulz schiebt Merkel gekonnt vor sich her. Mit dem „Attentat auf die Demokratie“ verband er den Vorwurf der Initiativlosigkeit an Angela Merkel und bekam die Aufmerksamkeit, die er nun mit seiner Initiative „Ehe für alle“ ausspielt. Gut gemacht!

Beim Fussball ist es aber auch so, dass Spielerinnen wie Ronaldo, Vidal oder Özil – für mehr Namen reicht die Zeit jetzt nicht – auch dann noch hinter dem Ball herrennen, wenn sie bereits soviel Geld auf der Bank haben, wie andere Leute Wasser in der Leitung. Das heißt, Spitzenkräfte – Fussballerinnen, Managerinnen, Politikerinnen,… – zeichnen sich dadurch aus, dass sie trotz Vergnügen noch arbeiten, während man als Normalo immer nur das eine will, aber das andere muss. Diesem Arbeitsvergnügen beizuwohnen – im Fussball oder sonstwo – ist immer auch beeindruckend. Und beindruckend und sehr unterhaltsam ist auch Merkels Besuch bei Brigitte, der größten Frauenzeitschrift der mitteleuropäischen Welt. In lockerer Runde, auf der Bühne des Maxim Gorki Theaters in Berlin, mit einer Live-Schaltung ins Netz, antwortet die Kanzlerin auf die Fragen der Brigitte Chefredakteurinnen Brigitte Huber und Meike Dinklage. Das ganze Gespräch, das etwas 90 Minuten dauert, kann man auf der Website der Frauenzeitschrift und hier unten anhören und -sehen.

Und dieser Dialog, der grade wohl auch den Bericht in der Tagesschau betitelt hat, ist doch gelungen, oder:

Interview-Frage: „Viele Frauen haben mit Perfektionismus zu tun – Sie auch?“ Gegenfrage der Kanzlerin: „Meinen Sie jetzt, beim Wäscheaufhängen, oder wie?“

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