Der ungehemmte Gebrauch von Totschlagbegriffen

Leider greift die Unsitte, Andersdenkende ein Etikett aufzukleben und sie damit zu stigmatisieren, in letzter Zeit im öffentlichen Diskurs mehr und mehr um sich. (Siehe auch die Veranstaltungsreihe „Die Wucht der Worte“)

„Wenn zentrale Einverständnisse der westlichen Welt in ihrer praktischen Ausführung kritisiert werden, dauert es nicht lange, bis interessierte demagogische Kreise den Vorwurf anbringen, jeder Zweifel an Erscheinungsformen der Sache sei generell gegen die Sache gerichtet. Gegen Globalisierung, gegen Europa, gegen den Westen. Damit soll gemeldet werden: Ende der Diskussion! Du bist ein Störenfried. Du stehst auf der anderen Seite.

Der Klassiker dieses Tricks ist schon länger bekannt: es ist der Vorwurf des „Antisemitismus“ für jemanden, der sich erlaubt, irgendeine Entscheidung einer gegenwärtigen israelischen Regierung zu kritisieren. Dieser Trick ist nicht so harmlos, wie er klingt. Man kennt ihn auch aus einem Gebiet, wo bei Meinungsverschiedenheit schon mal geschossen wird.“

Das schreibt der Schriftsteller Bodo Morshäuser in seinem aktuellen politischen Feuilleton. Diese sehr bedenkenswerten Ausführungen kann man auf Deutschlandfunk Kultur nachlesen oder auch nachhören.