Polemik
Friedensbewegte Moralpimmel?

Imperalismusvorwürfe und Verschwörungtheorien bilden immer wieder den interpretativen Hintergrund im Umgang mit politischer Wirklichkeit.

Wie sollte es auch anders sein, denn bei unvoreingenommener Betrachtungsweise gibt es kaum Konflikte auf dieser Welt, wo eine klare Position für die eine oder andere Seite möglich ist. Ist sie aber auch notwendig?

Das oberflächliche Bedürfnis sich mit der einen oder anderen Seite zu solidarisieren, eröffnet z.B. im Ukrainekonflikt lediglich die Wahl zwischen dem einen und dem anderen Übel, zwischen russischen und ukrainischen Oligarchen, zwischen urkrainischem und russichem Nationalismus.

Dort wie hier ist der Anti-Imperialismus dabei die Krücke, mit dessen Hilfe sich der Nationalismus seines Haltbarkeitsdatums entledigen will und sich als strammer Dauerläufer zurückmeldet.

Natürlich kann man für “Mäßigung” plädieren und Friedenswillen demonstrieren, aber das Raster “US-Imperialismus gegen den Rest der Welt” ist Unsinn, hat eine zum Himmel stinkende, deutsch-nationale Tradition und funktioniert nicht bei Auseinandersetzungen, die verheerender als die Ukraine, aber gottseidank (noch) weiter weg sind: Südsudan, Zentralafrika, Kongo, Thailand, Nigeria.

Warum spielt der barbarische Krieg, den das Regime in Syrien und seine eifrigen Gegner seit drei Jahren gegen Bevölkerung und Volk führt, praktisch keine Rolle für die neuen und die alten „Friedensfreunde“? Müssten sie sich nicht brennend für mindestens 150.000 Tote und fünf Millionen Flüchtlinge interessieren? Kann es sein, dass dieser Krieg für sie deswegen so uninteressant ist, weil irgendwie das althergebrachte, anti-imperialistische Feindbild nicht passt?

Aber auch beim Run auf Bodenschätze, landwirtschaftliche Flächen, Wasser oder biologische Ressourcen, stellt man fest, dass hier zahlreiche private und staatliche Akteure unterwegs sind – von Kanada über Malaysia, Iran, Saudi-Arabien, China, USA, Frankreich, Deutschland und …. .

Die Allianzen sind wechselnd; mono-, inter- und multinational; der Antrieb immer derselbe: sich auf dem kapitalistischen Regeln folgenden Weltmarkt zu behaupten.

Was bedeutet das?
Zumindest, dass man hiesige Demonstrationen hinterfragen sollte, in denen einseitig vor allem gegen „den Westen“, gegen „die USA“, gegen „den Imperialismus“, … gewettert wird. Es überrascht dann auch nicht, wenn im Sinn völkischen Exhibitionismus der braungeäderte Moralpimmel gegenüber einzelnen Akteuren drohend hervorgeholt wird.

In gleicher Weise wie der Meteorologe als Meteorolüge das schlechte Wetter und der Zeitungsverkäufer als Zeitungsverräter die schlechten Nachrichten veranwortet, zeigt die überschwängliche Beschuldigung von Währungsfonds, Weltbank und FED vor allem eins: eine Weltsicht, die vor 69 Jahren doch noch nicht aufgehört hat zu existieren.(bh)

(danke k., e. und f. für das eine oder andere, unmarkierte zitat)

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