So richtig?

So richtig viel liest man in friedensbewegten Quellen nicht über Kim Jong Un. Weder über seinen neuen Haarschnitt noch über seine aktuellen Tötungsphantasien, die selbst seinen chinesischen Verbündeten „etwas“ zu weit gehen. Die Ostermärsche hätten ein Anlass für die Formulierung eines klaren Standpunktes gegen das militärische Aufbegehren Koreas sein können, zumal sie mit dem Beginn der abscheulichen Drohungen des asiatischen Diktators zusammenfielen. Aber, so zeigt die Durchsicht der einschlägigen Reden: es gibt Wichtigeres. Einhellig ist von nordamerikanischen Drohnen, Afghanistaneinsatz, Waffenexport, Bundeswehr in Schulen, militärischer Hochschulforschung und Syrien die Rede. Ich gebe zu, dass diese Themen weder unbedeutend noch unwidersprochen hinzunehmen sind. Und dass es in der Nähe des westfälischen Gronau eine Uranaufbereitungsanlage gibt, die atomwaffenfähiges Plutonium herstellt, halte ich schlichtweg für unter aller Sau. Aber warum erhebt niemand die Stimme gegen den nordkoreanischen Diktator, der grade heute einen Atomwaffenangriff gegen die USA autorisiert hat? Etwa weil es sich „nur“ um die USA handelt?
Ein einziger Redner spricht in seinem Ostermarschbeitrag aber doch über Korea. Es sind genau drei Sätze, in denen – Achtung, jetzt kommt’s – die Vereinigten Staaten von Amerika (und Südkorea) aufgefordert werden, ihr Großmanöver zu beenden. Irgendwie scheint es ohne die USA als Bösewicht keinen Spaß zu machen. (bh)