Chinesisch

In der hessischen Regierung arbeitet Jörg-Uwe Hahn als Minister für Justiz, für Integration und für Europa. In einem Interview mit einer Frankfurter Tageszeitung ist er verhaltensauffällig geworden, weil er sinngemäß die Frage aufgeworfen hat, ob die [deutschen] Bürger schon bereit dafür seien, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler noch länger im Amt zu akzeptieren.

Sigmar Gabriel, der übergwichtige SPD-Vorsitzende und Vizepräsident der Sozialisitschen Internationalen, meint dazu, dass „Herr Hahn nicht alle beieinander zu haben scheint“, während Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier gar den Rücktritt Hahns fordert und hinzufügt, dass seine Äußerungen skandalös seien. Der Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Günter Rudolph, spricht von einer stillosen Entgleisung. Der hessische Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir bermerkt in Hahns Frage eine „völlig inakzeptable Formulierung“. Sein Parteikollege Omid Nouripour bezeichnete Hahns Äußerungen sogar als rassistisch. Die Linken-Fraktionschefin im hessischen Landtag, Janine Wissler, bezeichnete Hahn als „unerträgliche Fehlbesetzung“ im Amt des Ministers für Integration. Und auf der Website ihrer Partei heißt es, Jörg-Uwe Hahn habe „einen Dreckklumpen fallen gelassen“.
Ich persönlich kenne Jörg-Uwe Hahn nicht. Nur weiß ich, dass er nicht wie ein Chinese, ein Vietnamese oder gar wie ein Asiat aussieht. Ob das allerdings gut oder schlecht ist, kann ich nicht beurteilen. Mir fehlt, schlicht gesagt, das entsprechende Wertesystem. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich die Anekdote des Chefs der Jungen Liberalen (JuLi), Lasse Becker, nicht verstehe. Er bekomme am FDP-Wahlkampfstand in der Fußgängerzone oft zu hören, dass man seine Partei zwar wählen würde, dass dafür aber erst einmal der Chinese weg müsse. Ich habe mich schon gefragt, was denn „chinesisch“ an Rainer Brüderle ist, den ich schon angesichts seiner nächtlichen Dirndlvisionen – wenn auch mit gewissen atavistischen Anklängen – für durch und durch deutsch halte.
P.S. Man erspare mir in Zukunft Rassismus-Debatten von Deutschtümlern wie Gabriel, Steinmeier, Al-Wazir, Nouripour, Rudolph und Wissler, die in dem Wörtchen „asiatisch“ eine Beleidigung für deutsche Politiker sehen.(bh)