Schmähbrief Nr. 25 (zum) 6. August 2012

(nachrichtlich an die DB sowie die Fraktionen im Gemeinderat und Landtag)

Also, der Sigi wieder (das ist doch der, den es vor vielen Jahren lebensumständehalber von München nach Stuttgart verschlagn hat – ), reißt der wieder sein Maul auf, damit es euch net langweilig wird, wenn der Peter Grohmann grad im Urlaub is und koan BÜRGERBRIEF schreiben kann.

Der Sigi also, liest der in der Stuttgarter Zeitung vom 31. Juli einen Bericht über den „Zorn der braven Kaiserstühler“ vor 40 Jahren, weil da bei Wyhl ein Kernkraftwerk hingebaut werden sollte – und die sog. Standortgegner Erfolg hatten mit ihrem beharrlichen „Zorn“. Sauber, sagt der Sigi, wenn die StZ die großmäuligen Sprüch von damals zitiert („Ruhrgebiet am Oberrhein“ an der neuen „Wirtschaftsachse überhaupt in Europa“) und die „Arroganz der Macht“ bei der damaligen Landesregierung unter Hans Filbinger entdeckt, der als „penetrant selbstgerechter Landesvater“ bezeichnet wird. Filbinger habe gedroht, ohne Wyhl würden „bald die Lichter ausgehen“, etc. Außerdem war es damals noch üblich, solche Protestierer wie die in Wyhl als Radikale zu beschimpfen, als „links“ und „ferngesteuert“.

Abgesehen davon, dass der Sigi „links“ und „radikal“ eher als Kompliment auffasst, ist der Sigi radikal gegen des S-21-Dings. Wird uns dasselbige ähnlich hohlsprüchlich als Fortschritt im Schienenverkehr und als „städtebauliche Chance“ verkauft.. Wenn jener Filbinger damals die Lichter ausgehen sah, erinnert sich der Sigi an die ähnlich blöden Sprüch, ohne S 21 würde die Region Stuttgart von der europäischen Infrastruktur „abgehängt“. Statt „europäischer Wirtschaftsachse“ heißt es heut „europäische Magistrale nach Bratislava“. Und die Arroganz der Macht haben wir nicht erst am 30. September 2010 im Schlossgarten erfahren.

Die erfahrn wir auch unter der grün bis rosa geschmückten Landesregierung, die mit dem Titel „Baurecht der Bahn“ ihre Macht an ein wildgewordenes Konsortium aus Bahn-,Bau-und Banken-Managern abgetreten hat: Der Bauleiter Stefan Penn baut bekanntlich, was „ihm vor die Flinte kommt“ (schier vergessen, dass sein abgetretener Vorgänger Hany Azer 121 Risiken aufgelistet hat, die das „bestgeplante Projekt“ schon damals auf Murks herabstuften). Wolfgang Dietrich, die Plappergosch des Bauherrn, rumpelstielzt von „Projektförderungspflicht“, weil das Eisenbahnbundesamt das aus dem sprichwörtlichen Ruder laufende Grundwassermanagement nicht einfach durchwinken will. Hat doch der Pöllath vom Baukonzern ZÜBLIN selbiges als „sauber durchdacht und gut aufbereitet“ heiliggesprochen (StZ vom 22. Mai).

Was reg ich mich eigentlich auf, meint der Sigi, wo doch die Frau Roswitha Blind, die wo die Fraktionsvorsitzende von der SPD im Stuttgarter Gemeinderat ist und sich sehr auf den Fortschritt freut, man soll sich wegen Stuttgart 21 nicht so aufregen, der Tiefbahnhof sei schließlich kein Kernkraftwerk. Jetzt weiß ich nicht, sagt der Sigi, ob die Frau Blind damals bei den „zornigen Kaiserstühlern“gewesen ist.
Übrigens: man könnt sich am 6. August auch an die Atombombe von Hiroshima erinnern – war ja auch so ein Großprojekt.
Es grüßt euch der Sigi (verantwortl. E.Boeck, Cannstatt)