Schmähbrief, der Zwanzigste

Weil Hinz und Kunz inzwischen wissen, was ein schlechtes Gedicht ist, das der Günter Grass gegen die Kriegsgefahr im Nahen Osten geschrieben hat – hat sich der Sigi aufgemacht, auch ein schlechtes Gedicht zu schreiben! (Sigi ist doch der, den es vor vielen Jahren von München nach Stuttgart verschlagen hat, lebensumständehalber…)

WAS GESAGT WERDEN MUSS

Ich verschweige ja nicht
was offensichtlich ist und mit
miserablen Plänen
durchgedrückt wird, was uns teuer zu stehen
kommen wird und unseren
Nachkommen
(jenen viel zitierten Kindlein)

Es ist das behauptete Recht auf Baurecht,
mit dem das von Maulhelden,
den Machtbeliehenen aller Fraktionen
zum organisierten Jubel gelenkte
Schwabenvölkchen
ihre Hauptstadt in der Mitte
in den wässerigen Untergrund
zu versenken bereit ist.

Ich untersage mir nicht,
auch einige jener Herrschaften
beim Namen zu nennen
die Liste ist lang (selbst ohne Frauenquote),
Mächtige, solange die Börse es gestattet, also:
der Marktführer in Europa für Tunnelbohrmaschinen,
Dr. Herrenkencht Martin, dessen Aufsichtsrat Herr Späth, Lothar anführt,
vom Hauptverband Deutscher Bauindustrie, Herr Michael Knipper,
dann Hans-Martin Peter, welcher
Präsident ist des Industrieverbandes Steine und Erde,
die Bankmenschen, also:
Dr.Peter Baumeister (Südwestbank),
Christian Brand(Sparkassen-und Giroverband),
Heinrich Haasis (Landesbank),
Joachim E. Schielke (BW/Bank),
Peter Schneider (Sparkassenverband BW),
Wilhelm Haller von Hallerstein (Deutsche Bank), achja,
nennen will ich gerne den Herrn
Dieter Zetsche vom Konzern mit dem Stern, der euch
was hustet, seine Geländemobile und Luxuslimousinen
auf Schienenwege zu setzen –
schließlich wäre aus demselben Stall kommend
Dr. Rüdiger Grube zu benennen,
bekanntlich sehr leutseliger
Kühlschrank, kurbelt er an einer
Börsenbahn.

„Mit flinker Lippe“ als Fortschritt
verkündet, beteuert, beschwurbelt –
der Rückbau des Bahnverkehrs, ohne
Beweiskraft die Simulationen
die selbst getrickst und verbogen
wie allenthalben in einer Welt,
die ihre Macher
zuscheißen
zu Nutz und Frommen
ihrer steuerfreien Konten.

Zugegeben: in dieser Welt gibt es
Schlimmeres als schlechte Gedichte und
eine noch schlechtere Bahnpolitik,
aber ohne Würde bleibt dieses Abnicken
des weniger Schlimmen und
ohne Würde bliebe
unser Schweigen
jetzt.

Nicht verschweigen will ich an dieser Stelle, dass mir
die lauten Pfeifen unsrer Kundgebungen
auf den Geist gehen, wo doch
die Spatzen selbst von den Dächern
pfeifen, was die Welt längst weiß,
vielleicht nicht Herr Matzig von
der angesehnen Süddeutschen Zeitung,
dass dieser Bahn-und Immobilien -Deal
Stadt und Schiene ausverkauft.

Nicht zu verschweigen wäre auch,
dass wir neue Bilder und Lieder brauchen gegen
lärmende Fakten und
lähmende Ohnmacht!
Schmücken wir diese Stadt mit
neuen Sprüchen und Bannern und
Versen und Bildern aus dem Fundus jener Einwände,
die begründet und zuverlässig, also
machen wir die Stadt zum Bauzaun, bevor
ihr noch vorhandenes Bild
im Museum landet.

An scheane Gruaß vom Sigi! (verantwortlich E. Boeck/ Cannstatt)

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.