Bürgerbrief 78

Lieber Bürgerinnen und Bürger, Wessen Bahnhof? Unser Bahnhof! So rief am hellen Samstag einer dieser Schreihälse in der Bahnhofshalle. Ach, den kennen Sie? Na dann! Aber recht hat der Mann! Weil Bahn- höfe und Flughäfen öffentliches Gelände sind, nichts Exterritoriales etwa wie in Nordkorea. Auch wenn Bahn oder Flughafenbetreiber jahrelang Grundrechte mißachtet haben, als sie Flugblattverteilern oder Demonstranten das Betreten ihres ‚Hoheitsgebietes’ verboten, Polizei oder private Sicherheitsdienste mobili- sierten und Platzverweise wie Betretungsver- bote aussprachen: Jetzt ist Schluß damit! Ein klarer Verfassungsbruch. Aber, mal ganz unter uns Anhängern der freiheitlich-demokra- tischen Grundordnung: So ganz genau mit Recht und Gesetz nimmt’s die Bahn eh nicht. König Grube und seine Crew wickeln Regie- rungen um den kleinen Finger, lassen Ver- kehrsminister am langen Arm verhungern und scheren sich einen Scheiß um Volkszorn und Schlichterspruch. Was sich „unsre“ Regierung alles von der Bahn bieten läßt, geht auf keine Kuhhaut. Kein Arsch in der Hose.
Das große Dummerle: Heiner Geißler
Im sogenannten Schlichterspruch des soge- nannten Schlichters, den alle Beteiligten mit frommen Augenaufschlag akzeptiert haben, heißt es unter Ziffer 2:
2. Die Bäume im Schlossgarten bleiben erhalten. Es dürfen nur diejenigen Bäume gefällt werden, die ohnehin wegen Krank- heiten, Altersschwäche in der nächsten Zeit absterben würden. Wenn Bäume durch den Neubau existentiell gefährdet sind, werden sie in eine geeignete Zone verpflanzt. Die Stadt sollte für diese Entscheidungen ein Mediationsverfahren mit Bürgerbeteiligung vorsehen. (Zitat aus dem Schlichterspruch) Übereinstimmend haben die Befürworter des Projekts im Landtag, CDU, SPD und FDP die mit S 21 plus von Geißler geforderten Verbes-
serungen „ohne Wenn und Aber“ einzuhalten versprochen (Landtagsdrucksache 14/7362 vom 15.12.2010, S. 7776-7784), ebenso MP Kretschmann hat am 28.11.2011.
Ja Hallo, geht’s noch? Klar! Solange wir, das Volk, mit sich Hugoles treiben läßt, geht’s immer. Die andere Seite: Das Vertrauen geht flöten,und es wächst das Gefühl,daß man sich auf niemanden verlassen kann. Möglich, daß dem Fritze Kuhn dann 10-20 000 Stimmen fehlen: Gehört hab’ ich vom grünen OB-Kandi- daten zu S21 bislang noch goarnix.
Meine Favoritin – aber das bleibt bitte unter uns – wäre Brigitte Dahlbender. Und ihre SPD- Mitgliedschaft wäre mir in diesem Falle egal. Man könnt’ sie ja mal fragen, oder?
Die Bürgerbrief-Sammlung
Alle Bürgerbriefe am Stück: Nr. 1- 79 Leider dauert’s noch a bissle. Bin beim Planfeststellen …
Wessen Bahnhof? Unser Bahnhof! Also nix wie hin, sagten sich auch die Obdachlosen. Aber die, schutzlos und ohne Lobby, werden rausgeekelt, pausenlos kontrolliert und schika- niert, wie sie mir sagten. „Haut ab! Geh’ doch in die Vesperkirche oder ins Pennerheim!“ Woran man sieht, daß die Nächstenliebe eben auch ihre Grenzen hat.
Um so mehr muß der Bahnhof nun auch unser Ort sein – sei es, um ein Bierle zu trinken oder jemanden zum heißen Tee einzuladen, sei es, um die Mutti abzuholen, Briefmarken zu kaufen oder beim Wittwer nach der neuen 21 Einundzwanzig zu fragen. Herzlich eingeladen ist unsereins auch zum Ausstellungsbesuch im Turm. Erstens ist es warm, zweitens kann man debattieren, viele Prospekte mitnehmen für daheim und vor allem: Sich ein Bild machen in der Ausstellung über die seltsam verkorksten Träume der 21 Befürworter.
Und weil’s kalt ist: Die Bürgerbewegung läuft sich warm. Herzlich grüßt Ihr Peter Grohmann

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.

Ein Gedanke zu „Bürgerbrief 78

  1. Sehr geehrter Herr Grohmann,

    schön und gut das die Bahn mit den Herrn Grube, Mehdorn oder mit wem auch immer welche Regierung auch immer um den Finger wickelt.
    Das eine derartige Institution einige Bäume nicht interessieren sollte nicht verwundern.

    Ich vermisse eine nachdrückliche Auseinandersetzung mit der technischen Problematik dieses völlig überflüssigen Bauvorhabens (habe ich bislang nur im Stern etwas gefunden).

    Meiner Meinung nach ist nicht an der Sache zu rütteln – man muss den Verein beim Gelde packen, anders wird es nicht funktionieren. Ein paar Bäume hin oder her werden Herrn Grube oder wer auch immer auf ihn folgen mag nicht beeindrucken, ein paar Milliarden Euro, weil z.B. die Tunnel viel zu klein geplant sind, Signaltechnik bis dato nicht im bisherigen Standard angedacht ist, etc., sicherlich schon eher.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dipl.-Ing. M. Tiller

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