(M)ein Wort zum Sonntag

Dieses junge Ding da, Laura Dekker, umsegelt die Welt, und kein Mensch nimmt Notiz davon, daß ich mit dem Fahrrad in Paris war, mit 14, kurz nachdem die Wehrmacht das Land verlassen hatte. Laura Dekker ist nun ein gemachter Mann – kein Wunder, deutscher Vater! Solche Nachrichten verdrängen das Politische auf die Seite Vermischtes, man hat’s nicht besser verdient. Meine Heimatblatt, relativ seriös, widmet eine halbe Seite einem Herrn Kusmagk (der aus dem Dschungel-Camp), und mein Heimatsender beklagt die Massen-Touristen, die auf den Klippen der Insel Giglio auf den Untergang der Costa Concordia lauern – gemeinsam mit meinem Heimatsender. Geht’s noch?

In Übersee ist es auch nicht viel besser. Der Muslimbruder Newt Gingrich (der, der seine Frau im eignen Bett betrügt) schlägt in South Coralina Mitt Romney, republikanischer Mormone. Gingrich gilt den Medien als „Vollblutpolitiker“ – nicht auszudenken, wenn er ein Halbblut wäre! Beide Männer wollen den schwarzen Kommunisten Barack Obama aus dem Amt jagen, nur weil der endlich Lebensmittelkarten für Leute ausgeben will, die weder was zu beißen noch was zu wählen haben. Und beide wollen keinen Sozialismus wie bei uns. Wobei die Wahlen in den USA allein durch die Höhe der Werbeetats entschieden werden, erzählen die Beobachter vor vorgehaltener Hand. Aber wir dürfen nicht meckern, auch unsere Volksabstimmungen werden ja von den Budgets gewonnen, kluge und originelle Sprüche („Fortschritt oder Untergang?“- „Park oder Gleise?“) sind da die Ausnahme, genauso wie populäre Führungspersönlichkeiten.

Was das alles mit Volksdemokratie zu tun hat? Ich sage nur: Ägypten! Die ersten freien Wahlen seit den Pharaonen und der Wiedervereinigung mit dem Westen – und was passiert? Muslimbrüder! Selbst die Schwestern wählten die Brüder. Die Welt ist empört, nicht nur über das Wahlergebnis (70 % für die Islamischten!), sondern auch über das Attest der internationalen Wahlbeobachter. Die konnten keine nennenswerten Manipulationen feststellen. Schade. Wir wären sonst vielleicht einmarschiert.

Demokratie hat eben auch Nachteile, siehe Wulff oder Dschungelcamp, Gysi oder Medienvielfalt. Alles unter Beobachtung, auch die Links-Fraktionen. Zugegeben: „alles“ ist vielleicht übertrieben. Die Aufklärung der rechtsradikalen Mordserie braucht noch Zeit. Aber erst am Freitag wurden alte Fotos entdeckt – in Sachen Benno Ohnesorg – Student und 1967 von dem Polizisten Kalle Kurras beim Demonstrieren aus nächster Nähe erschossen. Die Polizei (ver)deckte die Tat von Kurras und half bei ihrer Verschleierung. Gott sei Dank kommt aber immer alles raus, spätestens nach 45 Jahren. Und wer hier rummeckert, spielt nur den Muslimbrüdern in die Hände! Schönen Sonntag allerseit von Ihrem Peter Grohmann

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.