Buchbesprechung
Wie rebellisch sind wir Bürger?

„Es ist etwas faul im Staate Deutschland“, stellt der Autor fest und benennt dann eine schier unendliche Latte von Stichworten, mit denen er das Wespennetz aufwirbelt: Hartz IV, Gesundheitsreform, Atommüllendlagerung, Bundesbahn, Bildungskatastrophe, Rente, Steuergerechtigkeit, Rechtsradikalismus … die Aufzählung will kein Ende nehmen.

Thomas Wieczorek belässt es aber nicht dabei, die Bundesrepublik Deutschland zu durchstreifen und auf die Schwachstellen und Fehlentwicklungen zu deuten. Er legt sie frei, sodass sie von jedem gesehen werden können, zeigt die Hintergründe und die Zusammenhänge auf, prognostiziert die Folgen. Und er geht den entscheidenden Schritt weiter: Thomas Wieczorek plakatiert auch den Unmut, den Widerstand, die Rebellion.

Sein Buch trägt deshalb zu Recht den Titel „Die rebellische Republik – Warum wir uns nicht mehr für dumm verkaufen lassen.“ Es ist beim Knaur Taschenbuch Verlag (ISBN 978-3-426-78443-3) für 8,99 Euro erschienen.

Wichtig ist das Buch, weil es unsere Republik von etwa 1960 an durchleuchtet, was es aber mit der Ergänzung durch die aktuellen Auseinandersetzungen nicht nur interessanter, sondern auch bedeutungsvoller macht. Chroniken über die Studentenbewegung, die RAF, Gorleben und Stuttgart 21 sowie ein umfangreiches Literaturverzeichnis machen das Buch zu einem hilfreichen Werkzeug für die Entwicklung von Widerstand in unserer Zeit.

„… Und da die Herrschenden geradezu darauf angewiesen sind, die Armen, und Normal- und Besserverdiener, die Jungen und die Alten, die Arbeitslosen und die Job-Inhaber, ja sogar die Raucher und Nichtraucher gegeneinander aufzuhetzen, könnte sich eine ‚Kollaboration’ der unterschiedlichen Schichten für ‚Die-da-oben’ zu einer brenzligen Angelegenheit entwickeln. Sind also die wiederauferstandene Anti-Atomkraft-Bewegung und die Kämpfe um den Stuttgarter Hauptbahnhof nur ein Sturm im Wasserglas oder der Anfang einer beispiellosen Protestlawine, deren Richtung und Ziel bislang völlig ungewiss sind?“ – Wir sollten uns das mal durch den Kopf gehen lassen.

Hermann Zoller

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.