Degenhardt

Franz Josef Degenahrdt - Ein Schoenes Lied

Degenhardt ist für mich, seit ich Gitarre spiele und schlecht dazu singe, ein Begriff gewesen. Als er irgendwann mal – so lange ist es nicht her – im KlaraZetkin angekündigt war, habe ich mich geärgert, nicht dagewesen zu sein. Der Ärger war aber eher archäologischer Natur, denn „meine“ Lieder sang Degenhardt schon seit fast 50 Jahren nicht mehr. Dazu gehört das „schöne Lied“ und andere Lieder auf der LP, von der immer nur der Titelsong der „Schmuddelkinder“ zitiert wird. Mein Lieblingslied auf der Platte war eindeutig „Nächstens oder morgen“, das ich bis heute nicht verstanden habe und dessen vielsagende Melancholie mich vom ersten Hören an nicht mehr losgelassen hat. Das Wort- und Melodiegeschick von Degenhardt (Tarantella, August der Schäfer, Rumpelstilzchen…) hatten aber wenig zu tun mit seinen späteren Liedern, die ich nur noch sehr sporadisch zur Kenntnis genommen habe und die mich nur sehr kurze Zeit begleitet haben: Monopoly, Komm‘ an den Tisch unter Pflaumenbäumen, Kriegsdienstverweigerer. Hier war es oft der „revolutionäre“ Inhalt hinter den die Melodie zurücktrat, einem ästhetischen Verständnis der Linken folgend, die Formen (nicht nur des Umgangs) in einer allgemeinen Überschätzung eigener Inhalte viel zu selten problematisiert(e). Besonders im Rückblick erscheint mir Degenhardt neben Hannes Wader und Dieter Süverkrüp (letzteren kenne ich viel weniger) als Vertreter einer linken Tradition, die zum Fürchten ist. Es wurde der bundesrepublikanische Kapitalismus – oder besser die Kapitalisten – aufs Korn genommen und „unter den Linden“ des deutschen Sozialismus fand man sich zur Abendzeit und ließ es sich gut gehen. Nichts zu den Mauermorden, nichts gegen Folter in den DDR-Knästen, nichts zur Ausgrenzung Andersdenkender im postfaschistischen Polizeistaat DDR, nichts gegen Zwangsadoptionen und volkssportmäßig betriebener Bespitzelung. Das wurde der Entourage um Springer, Löwenthal und Strauß überlassen, deren Kritik am anderen Deutschland oft mit Schaum vor dem Mund vorgetragen wurde und trotzdem mehr Wahrheit enthielt als „uns“ recht war. Personen wie Degenhardt gehören zu einer Tradition der Linken, für die ich mich schäme. (bk)

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.