SCHMÄHBRIEF Nummer ELF; 24.10.2011

Jetzt also der Sigi wieder. Der hat sich fünf Wochen zurückgehalten, weil er sagt: is eh ois (alles) g’sagt: Die Befürworter hör’n eh net hin, und die Gegner von dieser Spießeridee einer plastiziden Stadterneuerung könnten ruhig schärfer hinlangen, oder?!

Jetzt die Volksabstimmung. Jetzt muaß man ois nochmal sag’n, sagt der Sigi, also für den baden-württembergischen Volkskörper, dass er ja mit JA abstimmt zu einem Text, der fast scho kabarettreif is.

Und alle machen jetzt auf Bürgerbeteiligung, hurra! Die Betonköpf von der SPD, der Nils und der fromme Claus dürfn moderieren. Die Grünen nicken und warten auf’s Wunder. Und in Berlin feixt der Kefer und der Mappus lebt seine Wirtschaftskompetenz weiter aus bei Merck.

Bled, dass die Dahlbender, diese sympathische „Mutter Courage“ (Süddeutsche Zeitung) vom Aktionsbündnis meint:“Ohne unseren Druck hätte es diese Volksabstimmung nie gegeben.“(StZ vom 22.10.) Liebe Frau vom BUND, verneigt sich der Sigi, erinnern Sie sich, vor einem Jahr gab’s eine Schlichtung, die uns mit einem Stuttgart-21-Plus über’n Tisch zogn hat. Mit der Wirkung, dass sich der zählbare Widerstand auf der Straße halbiert hat. Dann gibt’s im Juni den Schtresstest, den die Schlawiner von der DB für sich auslegn, „die ganze Affenbande brüllt“ (Kinderreim!): „Stresstest bästandään!“ Mit der Wirkung, dass die Umfragen kippen: „dann baut’s halt“.

Des alles hätt’s ohne uns nicht gegeben, richtig, nur die andern, die von der Plastikfraktion mit ihrer Wirtschaftsprominenz, san ja net nur bled! Die Volksabstimmung wäre jetzt die dritte Seifenoper von Bürgernähe, und des haben wir vor allem den Fortschrittsaposteln von der SPD zu danken. Mögen sie drauf ausrutschen, meint der Sigi mit zittriger Stimme, und pflichtet dem Rockenbauch zu, wenn der sagt, „wenn eine Mehrheit für den Ausstieg votiere, müsse Grün-Rot aus dem Projekt aussteigen, auch wenn das Quorum nicht erreicht sei“, (so wird er von Reiner Ruf zitiert in der StZ vom 22.10). So hätt dann des ganze Theater auch den Sinn, gegen eine undemokratische Form der Bürgerbeteiligung zu votieren. Da schaugst! Da musst freilich um ein paar Ecken denken, wie uns der Kretschmann rät.

So, und dann liest der Sigi die Beilage von der TAZ vom Wochenende, „KONtext“ (22/23.10) und ein Interview mit einer leibhaftigen Schriftstellerin, der Anna Katharina Hahn, unter dem Titel „Bahnhofsromantik“, und die darf schwadronieren: „Viele wünschen sich so sehr, dass alles bleibt, wie es ist“ und die zwei Journalisten von der alternativen Zeitung geben der Autorin das Stichwort vom „Aufbrüchle“ in Stuttgart, die Aufbrüche fänden ja in den „Occupy -Wall -Street-Demonstrationen statt. „Das halte ich für sinnvoller, als Bahnhöfe zu beschützen“(Hahn). Ohmei, ihr drei (Hahn; Nübel und Stiefel fragten bzw. nicht), muss man denen jetzt auch noch sag’n, was x-mal g’sagt is: von wegen Bahnhof! Kreizkruzifix! Wie die Banken hierzulande auf des Geschäft um Stuttgart 21 gieren?! Usw.

An scheane Gruaß vom Sigi!

(verantwortschlich für den Aufschrieb: Eberhard Boeck, Cannstatt)

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.