Das gute Leben – sumak kawsay

Der Begriff des „sumak kawsay“ ist eng mit der indigenen Kosmovision, der indianischen Weltsicht verbunden. Es gibt kein Konzept von Entwicklung im Sinne eines linearen Prozesses mit einem bestimmten Zustand des Vorher und des Nachher. Auch die Idee eines zu überwindenden Zustands von Unterentwicklung findet sich dort nicht. … Für indigene Völker existiert nicht das herkömmliche Konzept von einer Armut, die mit einem Mangel an materiellen Gütern einhergeht, ebenso wenig wie von einem Reichtum, der auf einer Anhäufung von Gütern beruht. Aus Sicht der indigenen Kosmovision ist der soziale Fortschritt eine Kategorie, die sich in einem ständigen Kreislauf des Erschaffens und der Reproduktion befindet und bei der es um „das Leben selbst“ geht.
Sumak kawsay meint ein harmonisches, friedliches und genügsames Zusammenleben der Menschen mit einander und mit der sie umgebenden Natur. Alles wird respektiert: Tiere, Pflanzen, das Land, die Erde, nichts darf vernutzt und zerstört werden. Dieser Aspekt des „guten Lebens“ bedeutet die Versöhnung zwischen Mensch und Natur. Harmonie mit der Gemeinschaft und der Umwelt ist ein Schlüsselbegriff. Das Miteinander, auch die Schwächeren mitzunehmen, steht gegen Leistungsdruck und Konkurrenz.
Die Schule Nukanchik Yachai Hier findet sich die Konkretisierung des „Guten Lebens“ für die Schulpraxis. In der Schulgemeinschaft, die Kinder, Lehrer und Lehrerinnen, Eltern und Vertreter der Kommune umfasst, sollen die Grundprinzipien von „sumak kawsay“ verwirklicht werden. Die Schulgemeinschaft nimmt sich in ihrer Umwelt wahr. Dazu gehören die guten Beziehungen zur Gemeinde Cebadas und darüber hinaus. Nicht vergessen wird das Streben nach Lebensqualität im Schulalltag.
Zu Sumak Kawsay gehört die kulturelle Identität und die Verwurzelung am Lebensort, also für die Schulgemeinschaft in Cebadas. Das sei genau so wichtig wie die materielle Basis. Eine spirituelle Entfremdung könne das Wohlbefinden mehr beeinträchtigen als das Fehlen von materiellen Gütern.
Die Lernprozesse haben das Ziel, die Kinder zur Harmonie zu befähigen. Auf ganzheitliche Weise führt diese solidarische Haltung des Zusammenlebens zu Harmonie mit der Umgebung, der Gemeinde, der „Pachamama“ und der traditionellen Kultur. Das gilt für jeden Ort jeweils nach den eigenen Lebensweisen. In dieser Verschiedenheit wird eine plurikulturelle Gesellschaft für den Frieden aufgebaut.
Helga Gewecke, Oktober 2011 AnStifterin
Auch zu diesem Komplex gibt es einen Workshop bei Stuttgart open fair 2012 www.stuttgart-open-fair.de

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.