Bürgerbrief 58

Liebe Bürgerinnen und Bürger, „Bei Euch geht’s nur noch um Bahnhof, Bahn- hof, Bahnhof – ich kann’s bald nicht mehr hören. Meine Güte, Grohmann, habt Ihr denn überhaupt keine anderen Sorgen?“ Doch, haben wir. Massenweise Sorgen sogar. Zum Beispiel um die Demokratie. Wie kann es sein, daß offenkundige Rechtsbrüche, daß Lug und Betrug in unserer Gesellschaft nicht geahndet werden? Daß ein Mann wie der Herr Ober-Haupt-General-Überstaatsanwalt Häuß- ler Anträge und Strafanzeigen vom Tisch fegt? Wie kann es sein, daß Richter auftreten wie Herrenreiter und den selbstbewußten Staats- bürger Mores lehren? Daß Prozeßbesucher und Zeugen eingeschüchtert werden? Ja, Herrgottshimmelnocheinmal, wo sind wir denn hier?! Da stehn doch keine Schwerverbrecher vor Gericht! Wenn unsere Gerichtsbarkeit die großen Schweinereien in der Gesellschaft nur mit halb soviel Energie verfolgen würde wie Ordnungswidrigkeiten rund um den Bahnhof, säh’ es um die Republik (und die Staatskasse) besser aus.So aber verlieren wir, Sie, ich, alle, noch mehr von dem Rest-Rest-Vertrauen in den Rechtsstaat als die Wähler in Berlin…

Wir haben noch eine andere Sorge: Daß wir, wie meine Oma Glimbzsch aus Zittau immer sagte, 2gar nicht soviel kotzen können wie wir schlucken müssen“. Meinem Vater (er war Polizist, weshalb ich so gern anti-autoritär sein möchte), war das furchtbar peinlich. Er zischte dann immer rüber zu seiner Mutter: „Anna, bitte!“ Dieses „Anna, bitte!“ möchte ich Tante Kefer zurufen und Onkel Schuster und unsrem Bilanz-Manipulateur Grube und all den vielen Großkopfeten, die fremder Leute Geld verpul- vern wie Konfetti bei der Frauenblockade am 17. Oktober oder wie Tränengas am glombige Donnerschtag. Die spinnen doch, die Römer! Ich mein jetzt mit den Römern ausnahmsweise nicht den Klein- und Großkriminellen Silvio Berlusconi, der Staat, Kirche, Parlament und Presse genauso gekauft hat wie seine Callgirls. Meine Sorge geht dahin, daß die Loim- siader und Allmachtsdackel, die Goschuff- reißer und Lällebebbel noch nie die Suppe ausgelöffelt haben, die sie uns eingebrockt haben.Ob bei Siemens, Daimler, der Post, der Zürcher UBS oder der LBBW: Die werden zwar abgelöst (na ja, nicht alle), kassieren ex- orbitante Entschädigungen, verziehen sich für ein paar Jahre und wir – gucken in den Mond.

Meine Sorge ist das Pulver, daß die Erz- schlamper in Großmannssucht-Projekte stecken, Immoblienhaien hinterher werfen – nicht nur in Stuttgart! Landauf-landab, bundes- weit das gleiche Lied! Und die nie oder kaum zur Rechenschaft gezogen werden. Meine Sorge ist die Vergeudung von Volksvermögen in Zeiten knapper werdender Kassen, meine Sorgen sind die erdenschlechten Rechner und Spekulanten weltweit (auch das ist „Bahnhof“), die so genannten „Finanzexperten. Mein Kum- mer sind die 300 Bäume, der Feinstaub in der Stadt, die Gesundheit der Menschen, die dort wohnen. Auch das ist Bahnhof! Ich empöre mich, weil ich von versifften Toiletten in einer der reichsten Städte Deutschlands weiß, von fehlenden Turnhallen, magerem Mittagessen.

Und wo bleibt das Positive? Auch wir wollen einen besseren Bahnhof! Unsere K-21-Pläne sind halb so teuer und dreimal besser. Auch ich bin für die Neubaustrecke (und dafür, dass wir das Bahnmanagement endlich zum Teufel jagen).Schaut euch doch an, was die aus un- serer Bahn gemacht haben: Weniger Service als je zuvor, unpünktlich, weniger Bahnhöfe, Strecken stillgelegt, bundesweit, verlotterte Gleisanlagen, marode Brücken.Guten Morgen Herr Grube, aufwachen!

Wir bleiben heiter, offen, frei,und wenn’s denn klappt: Frech. Wir wissen, die S-21-Leute sind auch nur Menschen, aber eben mit mehr Fehlern als wir. Bis zum 30.! Ihr Peter Grohmann ***********************************
Alle Schimpfworte in diesem Bürgerbrief aus Thaddäus Trolls Schimpfkalender 2012 der AnStifter: Demnächst bei den Demos wieder zu haben.

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.