SCHMÄHBRIEF Nr. 9​ 29.08.2011

Ohmeiohmei! Unter den Wimpeln „Buddeln statt Bruddeln“: die Kundgebung von dene Befürworter auf’m Schlossplatz, SO GEHT ZUKUNFT; der Sigi war da und hat seinen SCHMÄHBRIEF Nr.8 (extra) verteilt, (siehe ganz weiter unten!)

Also, die Kundgebung und die Besucher mit Parkerweiterung oder dem Herzl, wo die guten Argumente überwiegen. Der Sigi, quasi undercover, bietet sei Blattl an, Frage dann (sehr oft) „Dafür oder dagegen?“ Sigi: „Lesen’s doch erstmal.“ Des war schon verdächtig! Oft die Abwehr: „Wir sind informiert!“ Dann probiert’s der Sigi mit dem Hinweis, das der DB 40 Milliarden € fehlen für die laufenden Bahnprojekte ( siehe Rückseite), sagt einer von den Informierten, von ihm aus könnt‘ des fünfzig Mrd. kosten, also des Stuttgart 21. Koaner von seine umstehenden Freinderl widerspricht.

Also, weil’s alle so informiert sind, brauchen die Redner auch nix zur Sache sag’n, außer dass der Verkehrsminister (Winfried Hermann) „untragbar“ wär (Strobl von der CDU), oder der Schmiedel von der SPD, ohmei, der Schmiedel, der wundert sich über die „Pfarrer gegen Stuttgart 21“, versäumt die Gelegenheit aber, sich über den Pfarrer Bräuchle zu wundern, also den mit seiner Volksgemeinschaftsidee für ein sauberes Stuttgart. Und dann erzählt er, der Schmiedel, von den Protesten auf den Fildern, wo auch Pfarrer dabei gewesen sind, und jetzt steht sie und ist wunderbar.(Was für eine Logik?! Und „wunderbar“: rote Zahlen schreibt’s.)

Und dann die Kinder! Also die Kinder von dem Schmiedel, die dann eines Tages stolz sein können auf ihren Papa, weil er „dabei gewesen ist“. Also bei dem ZUKUNFTmachen, die wo dann seine Kinder beleben dürfen, und die dann gut ist, also die Zukunft, weil er, der Schmiedel und die andern,die drumrumstehn und informiert sind, zu „den Guten“ gehören. Du glaubst es nicht!

Und dann des Zelt und die Buttons RESPECT 21 „Wir stehen für Dialog“ und in ihrer Selbstverpflichtung, Punkt 3:“ Wir fordern die Sprecher beider Seiten auf, mit Fakten und nicht mit Emotionen zu werben. Und so ihren Beitrag zur Befriedung unserer Stadt zu leisten.“ Da schaugst! Fakten also von dene Herrschaften auf’m Podium? Fehlanzeige. Halt, doch: Die „Schlichtung“ im November 2010, der Schlichter von Wölfle vorgeschlagen, (den Mappus hat der Redner vergessen!).Stresstest von Palmer vorgeschlagen. Den Schtresstest hätt die DB bestanden. Natürlich koa Wörterl, über die vielen Auslassungen von dem Schtresstest, die der Palmer nachgewiesen hat. Befriedung durch Fakten? Halleluja!

Es griaßt eich der Sigi mit dem Ruf VIERUNDFÜNZIG, und: Faust aus der Tasch’n!
(verantwortlich: E.Boeck, Cannstatt)

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SCHMÄHBRIEF Nr.8 (extra)​27. 08. 2011
(auf der Kundgebung der der Befürworter von S 21 verteilt)
Sigi grüßt die Interessenten von dem Projeggd Stuttgart 21

Da ihr vermutlich noch nix vom Sigi g‘ hört habts: den hat’s vor Jahren von München nach Stuttgart, lebensumständehalber, auf der Südschiene nach Stuttgart verschlag’n; da gings eisenbahntechnisch noch mehr als zwanzig Minuten schneller.

Also, der Sigi hat die Einladung g’lesn „SO GEHT ZUKUNFT“, und des muaß ein‘ ja interessier’n, wo’s überall unsicher is, mit der Finanzkrise und Euro und CDU und Gaddafi und Energie. Da könnt man auch les’n: SO GEHT ZUKUNFT DAHIN. Da wär dann S 21 die positive Nachricht!

Also, der Sigi, aus Minga (München), da wo des Büro Vieregg/Rößler des Projeggd Transrapid durchg’rechnet hat, und dann ham’s des Projeggd eingestellt. Und „München 21“ ham die Münchner gleich abg’sagt.. Desselbe Büro hat ja auch des S 21 gerechnet und kimmt allein für S 21 (noch ohne die Neubaustreck’n nach Ulm) auf mindestens sechs Milliarden. Und Bundesrechnungshof und Umweltbundesamt! Gottseidank ham (haben) mir (wir) ja den „ehrlichen Kaufmann“, den Grube, der wo des ois (alles) runterrechnet, damit mir den Fortschridd verkraft’n.

Jetzt liest der Sigi in der Stuttgarter Zeitung vom 18.August, dass der „unabhängige Netzbeirat der Deutschen Bahn…scharfe Kritik an der Politik von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (übt)“ „Allein für die laufenden Bahnprojekte müssten noch knapp 40 Milliarden Euro finanziert werden. Pro Jahr stünden aber nur nm1,1 Mrd. Euro zur Verfügung. Deshalb fordert der Beirat, die knappen Steuermittel auf wenige Bauvorhaben zu konzentrieren – und die übrigen Projekte einzufrieren. Nur zu Beseitigung bestehender oder absehbarer Engpässe dürfe noch Geld fließen. Alle anderen Vorhaben sollten „teilabgeschlossen“ und spätere weitergeführt werden….“

Des dat (täte) ja bedeuten, wo bei S 21 noch net amal was zum Teilabschließen is, dass mir auf dem „alten Klump“ (so dem Sigi sein Kollege, ein Frisörmeister, über den Bonatzbau) und dem „Hüttenkruscht“ ( der Oettinger über die Seitenflügel)) hocken bleib’n tät’n und mit dem „Schandfleck“ (der Grube über des Gleisvorfeld) weiterwurschteln müaßt’n.

Gottseidank gibt’s da den Müller von der IHK, der als Kaufmann, a bissel ehrlicher als der Grube, davon ausgeht, dass jedes Großprojekt teurer wird, aber dann eben neiche (neue) Kreditaufnahme (SWR-Nachrichten vom 25.8.)!

Weil, wenn du den Fortschridd willst, muaßt du Opfer bringen! Weil ja „für unsere Kinder“!
Da muaß man auch a bissel tricks’n dürf’n. „Fehlkalkulkationen können nicht durch Fehler erklärt werden, sondern sind am ehesten auf strategische Verfälschung, also auf Lügen zurückzuführen.“(Bent Flyberg, Professor für Planung an der Universität Oxford in einer Untersuchung über 258 Verkehrsprojekte mit einem Volumen von 90 Mrd. Dollar, Süddeutsche Zeitung, 2.8.2011)

SO GEHT ZUKUNFT! Bled, moant der Sigi, wenn die Kinder einmal nach der Vergangenheit fragn, dem oidn Glumb (altes Klump). (verantwortlich: Boeck/Cannstatt)

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.