Zur Nachahmung und Veröffentlichung empfohlen
Gesundheitskarte

Es sieht so aus, als werde momentan der Versuch gestartet, die elektronische Gesundheitskarte mit Foto einzuführen. Einer der ersten Schritte scheint die Anforderung eines Versichertenfotos zu sein. Es gibt dazu von jenen, die seit langer Zeit Bedenken gegen die eGK anmelden, den Vorschlag, an die Krankenkasse ein Schreiben mit Fragen zu richten, das ich – ein wenig modifiziert – unten beifüge. Weitere Informationen gibt es dazu reichlich im Internet, unter anderen unter dieser Adresse:
http://www.grundrechtekomitee.de/search/node/gesundheitskarte
(Das Grundrechtekomitee ist Partner der AnStifter)

Die Gesundheitskarte dient, soweit ich sehe, außer jenen, die sich davon Profit und Überwachung versprechen, niemandem – schon gar nicht den Patient(inn)en, denen daher geraten sei, dieses Ding zu verhindern.

Gruß und alles Gute
Richard Kelber (AnStifter)

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Betr.: Anforderung eines Passbildes zwecks Ausstellung einer elektronischen Gesundheitskarte

Sehr geehrte Damen und Herren,
bitte klären Sie mich rechtsverbindlich darüber auf:

1. Auf welcher Gesetzesgrundlage fordern Sie von mir ein farbiges Passbild; bitte erläutern sie
dies so ausführlich, dass ich es überprüfen lassen kann?
2. Nennen Sie mir bitte die gesetzliche Grundlage für die spezielle Anforderung an dieses Passbild.
3. In welcher Datenbank und bei wem wird dieses Bild gespeichert?
4. Wer garantiert mir die Löschung der eingescannten Bilddatei?
5. Warum fordern Sie ein Bild für die neue e-G-Card, wenn andere Unternehmen, z.B. Kreditkartenunternehmen,
nachweislich festgestellt haben, dass damit der Missbrauch einer Karte nicht
verhindert werden kann und sie deshalb auf das Bild auf der Kreditkarte verzichten?
6. Wer überprüft die Identität des Bildes mit den Personendaten?
Bitte klären Sie mich weiter rechtsverbindlich darüber auf, ob Sie Sanktionen in Betracht ziehen,
wenn ich Ihnen kein Passbild zuschicke. (siehe unten)

In Medien wurde veröffentlicht, dass Versicherungen eigentlich keine verbindliche Handhabe
besitzen, von ihren Versicherten ein Passbild zu fordern. Im Gegensatz dazu hat mir einer Ihrer
Mitarbeiter, den ich telefonisch um Auskunft gebeten habe, was geschieht, wenn ich Ihnen kein
Passbild schicke, erklärt: „Dann haben Sie keinen Versicherungsschutz.“ Diese „Auskunft“ ist
anscheinend falsch und ich bitte auch dazu um Ihre Stellungnahme. (Übrigens hat er diese „Auskunft“
abschlossen mit der Anrede „Herr Doktor“. Kann es sein, dass bei Ihnen anhand der Telefonnummer,
von der aus Sie angerufen werden, automatisch erkannt wird, wer anruft?)

Ich kritisiere Ihre Absicht, die Gesetzeslage nicht im Sinne der Patient(inn)en auszulegen und eine
zentrale Speicherung meiner Krankheitsdaten außerhalb der Arztpraxen durchzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Richard Kelber

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.

Ein Gedanke zu „Zur Nachahmung und Veröffentlichung empfohlen: Gesundheitskarte

  1. Ein Mediziner, der gegen die Gesundheitskarte ist… Wie überraschend!

    Ziel der Gesundheitskarte ist imho die Trockenlegung des Korrunptionssumpfes zwischen Ärzten und Kassenärztlichen Vereinigungen. Durch dieses seltsame Konstrukt, das nach außen hin die Patientendaten anonymisieren soll, im Effekt aber die tatsächlich nötigen Kosten verschleiert und Abrechnungsmißbrauch Tür und Tor öffnet, gehen was-weiß-ich-wie-viel-hunderte von Millionen Euro der Allgemeinhzeit flöten!

    Ein weiterer Effekt ist, dass mittlerweile total veraltete und angriffsanfällige Softwarearchitekturen und Denkstrukturen erneuert werden: mit der Gesundheitskarte wird das Verschlüsseln von Dateien zum Standard – welcher Arzt macht das heute schon? Da werden hochsensible Daten einfach so mal gemailt (unverschlüsselt, unsigniert) – oder sogar mal eben gefaxt. Zusätzlich wird handschriftliche Kommunikation abgestellt – ich möchte nicht wissen, wie viele Fehler entstehen, weil der Addressat die Handschrift des Verfassers nicht entziffern kann – über die Schwere der Fehler will ich gar nicht erst anfangen zu spekulieren.

    Da nicht alles was hinkt auch ein Vergleich ist, stelle ich mal in den Raum, ob die übliche Nutzung einer Kreditkarte mit der einer Krankenversichertenkarte gleicht – haben die Personen, die in den Praxen arbeiten, nicht vielleicht doch etwas mehr Zeit auf ein Bild zu schauen? Hinzu kommt noch, dass die neue Gesundheitskarte nicht nur am Empfang eingelesen wird, auch der Arzt selbst wird sie zu Gesicht bekommen, da sie ja zum Ent- und Verschlüsseln der Patientenakte benötigt wird. Ein weiteres Mal wird die Karte in der Apotheke benutzt…
    Nein, ich denke der durchschnittliche gesetzlich Versicherte hat ein Interesse an der Einführung der Gesundheitskarte.

    Haben Sie ein Telefon, das Ihnen die Nummer des Anrufers anzeigt? Möglicherweise nur ein Zufall, dass der Auskunftgebende genau diese Nummer kannte, weil er dort Patient ist? Über andere Möglichkeiten, warum diese Nummer beim Callcenter der angefrufenen Kasse bekannt sein könnte, möchte ich an dieser Stelle nicht spekulieren.

    Sich über die Art der Speicherung der Krankheitsdaten jetzt schon auszulassen hat etwas kampagnenhaftes: hier ist noch nichts beschlossen, es gibt ein Spezifikation, aber noch keine praktikable Lösung wie das umgesetzt werden soll – nur Ideen, keine Fakten. Zu bedenken möchte ich aber geben, dass man im Notfall auf die Daten keinen Zugriff hat, wenn der behandelnde Arzt unbekannt oder nicht anwesend ist (z.B. weil er im Urlaub ist).

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