Den Stuttgarter Friedenspreis der AnStifter 2011 erhält Fatuma Abdulkadir aus Kenia. Herzlichen Glückwunsch! Preisübergabe bei der FriedensGala am Do, 17. November 2011, Theaterhaus Stuttgart

… Ihre Mutter hat sie als Kind unterm Bett versteckt, wenn draußen Schüsse fielen. Und deren Mutter tat das gleiche mit ihrem kleinen Mädchen. Fatuma Abdulkadir Adan will diesen Teufelskreis der Gewalt durchbrechen. Deshalb ist die studierte Anwältin aus Nairobi in Kenias Norden zurückgekehrt, in ihre Heimatstadt Marsabit. Dort liefern sich verfeindete Stämme seit Jahrzehnten blutige Auseinandersetzungen. Da die Politiker im fernen Nairobi die Region vergessen haben, hat Fatuma selbst eingegriffen: Sie bringt die Frauen der verfeindeten Stämme zusammen und organisiert Fußball- Turniere – eine Ungeheuerlichkeit in den Augen der mächtigen Imame. Auf die Trikots ließ sie schreiben: „Wir zielen, um Tore zu schießen, nicht um zu töten.“

Interviewauszüge http://www.kickfair.org/flg/fussball-verbindet/ (autorisiert für die AnStifter)
Denkst du, dass die Probleme in deiner Gegend gelöst werden können?
Fatuma Abdulkadir: Ja, ich glaube fest daran und deswegen bin ich hier. Ansonsten wäre ich nicht nach Marsabit zurückgekommen und würde nicht tun, was ich tue. Die Lösung liegt in uns selbst, da es nicht Menschen von außerhalb sind, die gegen uns kämpfen. Wir sind es, die gegeneinander kämpfen und so lange wir das tun, können wir weder über Entwicklung noch über Bildung oder andere wichtige Themen sprechen. Wir müssen die Schönheit in der Vielfalt sehen, anstatt nur auf die Unterschiede zu schauen und zu sagen, dass ein anderer Mensch nicht leben soll, weil er anders ist. Wir sollten uns vielmehr überlegen, was wir gemeinsam tun können, um vorwärts zu kommen.(…)
Du hast mir von Treffen ohne Frauen erzählt, in denen nur Männer über Frieden sprechen. Die Tradition besagt, dass Frauen keinen Platz im Friedensprozess und in Entwicklungsfragen haben. In Marsabit haben grundsätzlich die Männer das Sagen. Sie verwalten das Geld, sie besitzen die Frauen und sie treffen alle Entscheidungen. Frauen haben keine Stimme. Man kann als Frau zu einem Treffen der Ältesten gehen, aber man darf nichts sagen – nur die Männer dürfen sprechen. 2005 hatten wir hier die große Auseinandersetzungen zwischen den Gabbras und den Boranas, die Leute haben sich bekriegten. Damals kamen bei allen Treffen nur die Männer zusammen. Es gab weder Zeit noch einen Platz, an dem sich Frauen hätten treffen können.
Fatuma Abdulkadir: Niemanden interessierte es, ob die Frauen etwas zu sagen hatten, dabei waren Frauen und Kinder diejenigen, die am meisten betroffen waren. Vor allem die Frauen, da sie während den Auseinandersetzungen ihre Kinder, ihre Männer und ihre Häuser verloren haben. Sie sind diejenigen, die damit klar kommen müssen – genauso wie mit allen anderen Folgen des Konfliktes. Aber solange ihre Stimme nicht gehört wird und solange sie nicht in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden, solange werden wir keine konkrete Lösung finden und in Richtung Frieden gehen können. (…)
In deinem Kampf für Frieden gab es sicherlich schwere Momente. Erinnerst Du Dich auch an schöne Momente?
Fatuma Abdulkadir: Die Leute haben immer gesagt, dass man in Marsabit niemals Mädchen sehen wird, die Fußball spielen. Aber heute sitze ich hier und wir haben zwei Mädchenteams, die Fußball spielen. Sie spielen zu sehen ist für mich der schönste Moment und immer wieder geht mir die Frage durch den Kopf: passiert das hier gerade wirklich? Hin und wieder bin ich sogar nach draußen nachsehen gegangen, und es stimmte. (…)


Das Wahlergebnis: Zahl vorn: Reihenfolge des Vorschlags im 2. Wahlgang. 1. Zahl nach dem Namen:
Stimmenzahl im ersten Wahlgang. Zahl am Ende: Stimmenzahl im zweiten Wahlgang.
Zahl der Teilnehmenden am zweiten Wahlgang: 306.
Abgegebene Stimmen: 918.
Davon erhielten

  1. 2 Fatuma Abdulkadir 93 / 183
  2. 4 Roberto Saviano Mafia 91 / 132
  3. 6 Irina Gruschewaja Tscherno 91 / 130
  4. 7 Gangolf Stocker 90 / 127
  5. 10 terre des femmes 39 / 100
  6. 3 Jean Ziegler 92 / 88
  7. 1 Abdullah Abu Rahma 104 / 63
  8. 8 Jürgen Grässlin 61/ 43
  9. 5 Bradley Manning 91 / 31
  10. 9 Cinema Jenin Israel/Palästina 49 / 21

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.

Ein Gedanke zu „Den Stuttgarter Friedenspreis der AnStifter 2011 erhält Fatuma Abdulkadir aus Kenia. Herzlichen Glückwunsch! Preisübergabe bei der FriedensGala am Do, 17. November 2011, Theaterhaus Stuttgart

  1. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH aus Erdmannhausen nach Kenia – Herzlichen Glückwunsch an die diesjährige Preisträgerin Fatuma Abdulkadir!

    Wir freuen uns für sie und ihre mutigen Mitkämpferinnen – mehr über sie erfahren alle AnstifterInnen u.a. http://www.kontextwochenzeitung.de/newsartikel/2011/06/kick-it-like-steffi/ und auf http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2011/nach-dem-ballverlust-11501
    Wir sind uns sicher: am 17.November werden wir ein großes Fest feiern – im Theaterhaus – Wie sagte doch Nelson Mandela:
    „Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil.“

Kommentare sind geschlossen.