BOUALEM SANSAL erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2011

Der algerische Schriftsteller BOUALEM SANSAL wird mit dem diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 16.
Oktober 2011, in der Paulskirche statt und wird live vom ZDF übertragen.

Sansal gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller in französischer Sprache. Auf Deutsch erscheinen die Werke des designierten Friedenspreisträgers seit 2003 kontinuierlich im Merlin Verlag und sind bei uns – derbuchladen@ratgeber-gmbh.de – lieferbar.

„Der Schwur der Barbaren“ ist ein Politkrimi, der die Schrecken des algerischen Bürgerkrieges zum Thema hat.

In seinem zweiten Roman „Das verrückte Kind aus dem hohlen Baum“ führen die beiden zum Tode verurteilten Hauptfiguren stellvertretend für Algerien und Europa einen erkenntnisreichen Dialog.

„Erzähl mir vom Paradies“ erschien auf Deutsch zum Buchmessenschwerpunkt „Arabische Welt“ (2004). Sansal fehlte auf der offiziellen Gästeliste der arabischen Organisatoren, wurde aber von der Frankfurter Buchmesse
zu einem internationalen Symposium in den Römer eingeladen.

Nicht mit einem Happy End, aber mit einem versöhnlichen Schluss thematisiert „Harraga“, der vierte Roman, die Lebensumstände der perspektivlosen, illegalen Flüchtlinge aus Nordafrika und die Rolle der Frauen in islamisch
geprägten Gesellschaften.

Im Essay „Postlagernd: Algier“ fordert Sansal eine wahrhafte Demokratie, in der die Vision einer aufgeklärten Weltbevölkerung Gestalt annehmen könnte. Seitdem sind seine Werke in Algerien verboten.

Wir empfehlen:

Spätestens mit dem Roman „Das Dorf des Deutschen: Das Tagebuch der Brüder Schiller“ ist Boualem Sansal auch in Deutschland für eine breite Leserschaft ein Begriff.

Karl-Markus Gauß sprach in der Zeit von einer „Sensation, was die Radikalität betrifft, mit der sich hier ein Autor aus der islamischen Welt mit den Leiden des Judentums identifiziert.“

Johannes Willms teilte seine „ungetrübte Bewunderung“ in der Süddeutschen mit. „Sansal attackiert algerische Tabus mit einer Heftigkeit, die einen um den Autor bangen lässt. Dieses Mal deckt Sansal das bislang gut gehütete Geheimnis auf, dass in den Reihen der algerischen Befreiungsbewegung FLN … eine Reihe Deutscher mitkämpfte. Dabei handelte es sich zumeist um SS-Leute, um ‚Fachleute‘, die sich auf den industriellen Massenmord verstanden oder sonstige ‚Spezialisten‘, denen in den Nachkriegswirren die Flucht nach Ägypten gelungen ist.“

Das Werk setzt die Methoden der Islamisten mit den totalitären Prinzipien der Nationalsozialisten in Beziehung.

So, wie Sansal in seinen Büchern mit Sprachkraft und Engagement die Tradition des europäischen Romans mit der Erzählform der arabischen Welt verbindet, appelliert er, wo immer er kann, mit ironischer Unbestechlichkeit an Versöhnungswillen und Vernunft gegensätzlich polarisierter Akteure.

Er trittfür die Öffnung und Demokratisierung der arabischen Länder ebenso ein, wie er mit Schärfe und Unerbittlichkeit den wirtschaftlichen und militärischen Opportunismus der westlichen Interessen bloßstellt.

Wir gratulieren Autor und Verlag!

Mit friedlichen Grüßen
Matthew Heaney, Martina Miksits, Susanne Heiseler, Peter Grohmann

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.