Kontext-Wochenzeitung
so nicht!

Seit wenigen Tagen steht die kontext-wochenzeitung im Internet. Ich freue mich darüber. Mit meiner Höhenangst muss ich jetzt nicht mehr „auf den Fernsehturm steigen, um zu sehen, dass Stuttgart eine dörfliche Stadt“ ist, wie Fr. Füllkrug-Weitzel in einem Interview feststellt. Es reicht, wenn ich die Domain kontext-wochenzeitung.de aufrufe. Jede Woche.

 

Es ist traurig, dass die Redakteure und Redakteurinnen zwar ein Interesse an ordentlichem Journalismus haben mögen, aber für ein gar nicht mehr so neues Medium wie das Internet blinder sind als ein Brot. Schon der Satz von Herrn Freudenreich im Editorial „Niemand zwingt uns, der Hektik des Netzes zu verfallen, warum also keine Wochenzeitung im Internet?“ treibt einem fast die Tränen in die Augen. Machen die „Kollegen und Kolleginnen“ z.B. von Spiegel Online, bildblog.de, n-tv.de, telepolis, qantara, perlentaucher, carta …die mitunter mehr als einmal wöchentlich Texte publizieren denn nur Hektik? Ganz und gar nicht. Hier ist man seit Jahren oder Jahrzehnten dabei, das Internet als Medium mit eigener Charakteristik kennen zu lernen und auszuprobieren?

Die kontext-wochenzeitung ist in ihrer heutigen Form einfach nur ärgerlich. Weil hier wieder einmal ein Grüppchen „Bürger/Bürgerinnen“/“Linker“(?) – was auch immer das heißt – mit dem Bessermacher-Anspruch daher kommt und doch wieder nur – vorsichtig ausgedrückt – müffelndes Mittelmaß bietet.

Für den Geist, der hier weht, ist es nur zu typisch, dass die einzigen Verlinkungen in den Texten vom Anleser zum eigenen Volltext führen. Und wehe man hat eine etwas zittrige Hand oder einen empfindlich eingestellten Cursor, dann trifft man den Link „zum Artikel“ nur mit Mühe. Leute, schaut doch einfach mal, wie Eure große Schweser, die taz, das macht.

Auch wenn man nicht zwischen Tweets und Feeds unterscheiden kann, wenn man nicht weiß was RSS bedeutet, dann sollte man als Online-Journalist oder -Journalistin wissen, was ein (Hypter-)Link ist. Wo aber sind  in Euren Internet-Artikeln die (verlinkten) Angaben z.B. zu den Autoren, wo die Quellenverweise, wo die Verweise zu anderen Texten desselben Themas, wo die erklärenden Links z.B. für Fremdworte oder bestimmte Fachbegriffe? Nirgendwo!

Mein Tipp: fangt doch noch mal von vorne an! (bkh)

Weiterführende Texte: David Bauer, Thomas Knüwer, Wikipedia

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.

Ein Gedanke zu „Kontext-Wochenzeitung: so nicht!

  1. Ich habe gelernt, dass man mit konstruktiven Verbesserungsvorschlägen mehr Erfolg hat. Stimme aber zu, dass „Kontext“ verbesserungswürdig und -fähig ist…

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