Aufregung

Die Widersprüchlichkeiten der die Situation der japanischen Atomkraftwerke beschreibenden oder erwähnenden Meldungen in Fernsehen, Radio, Internet und Zeitung sind, bis auf Ausnahmen, kaum zu ertragen. Ausgehend von dem Umstand, dass in der schwedischen Atomanlage „Forsmark“ (im Jahr 2006) 23 Minuten nach einem elektrischen Kurzschluss lediglich 7 (sieben) Minuten fehlten, um eine nicht wieder rückgängig zu machende Kernschmelze zu verhindern, sind in der Presse mehrere Tage nach Eintreten der Störfälle in Japan immer noch Meldungen zu finden, in denen von „letzten Versuchen“ zur Verhinderung einer Kernschmelze, „vermuteter“ Kernschmelze und „drohender“ Kernschmelze die Rede ist. Noch einmal: zwischen Unterbrechung des Stroms (und der entsprechenden Kühlung der Kernbrennstäbe) und Kernschmelze vergehen nicht viel mehr als 30 Minuten; eine Kernschmelze ist NICHT rückgängig zu machen. In der Financial Times steht heute noch, dass „Die Internationale Atomebehörde berichtet, (dass es) momentan keine Kernschmelze (gäbe)“. Das ist eine dreiste Lüge.
Andererseits beschreibt die Tatsache, dass mindestens 4 wenn nicht mehr japanische Reaktoren dabei sind, durchzubrennen, einen Umstand, der ein einstelliges Summenspiel zu sein scheint, nichts weiter: als wäre eine weitere Kernfusion mal eben nur noch eine Kernfusion mehr.
Wenig – ich sage nicht nichts – wird darüber berichtet, dass die Verantwortlichen der Firma „TEPCO“, die die Betreiberin mehrerer der japanischen Reaktoren in Fukuschima ist, nichts anderes als „ehrenwerte Damen und Herren“ sind, die weniger darum bemüht sind, das „Schlimmste zu verhindern“ als das „Schlimmste zu VERSCHLEIERN„. „Strafmildernd“ kann hinzugefügt werden, dass es die Aufgabe jeder an einem entsprechenden Vorfall beteiligten Instanz ist zu lügen. In diesem Sinn stellt die Atomkraft nicht nur eine Technik dar, die die Umwelt, sondern auch die Wahrheit verschmutzt. Die Verantwortlichen von TEPCO hatten schon 2007, als der Reaktor Nr. 3 von Fukushima II Risse zeigte, keine Hemmungen Protokolle von Sicherheitsüberprüfungen zu fälschen (siehe auch Tagesspiegel). Eine ähnliche Lügenstrategie hat wohl auch, wenn auch in einem weniger dramatischen Zusammenhang, in Bezug auf Phillipsburg II die „ehrenwerte“ Fr. Gönner verfolgt (Stuttgarter Zeitung 15.03.2011: „Über Atompannen spricht man nicht„).

Eine weitere graviende Unterlassung in der Berichterstattung ist die Annahme, bei Fukushima handele es sich um 1 (ein) Atomkraftwerk. Die sachliche Beschreibung des Fukushima-Kraftwerkkomplexes sieht so aus: es gibt 2 Kraftwerkseinheiten: Fukushima 1 und 2. Fukushima 1 besteht aus 6 (sechs) Siedewasserreaktoren, die als vor dem Erdbeben in Betrieb befindlich beschrieben werden können; in Bau befanden sich zwei weitere Reaktoren. Fukushima 2 besteht aus 4 bis zu dem Erdbeben in Betrieb befindlichen Reaktoren. Vergleiche mit Tschernobyl könnten also leicht viel zu kurz geraten, weil wir, wenn wir davon hören, dass es Probleme mit dem Atomkrafwerk Fukushima gibt, bedenken müssen, dass dan, von nicht weniger als 10 (zehn) Atomkraftwerken ist Rede ist.
Abschließend nur noch eine kurze Bemerkung zu den mehrfach erwähnten Explosionen. Dabei handelt es sich um Wasserstoffexplosion, die (vor allem) dann auftreten, wenn die von einer Kernfusion betroffenen Kernbrennstäbe eine solche Temperatur entwickeln, dass sie Wasser (H2O) in seine Bestandteile aufspalten und leicht entzündlichen Wasserstoff (H) freisetzen. Wasserstoffexplosionen sind also ein Hinweis auf bereits ablaufende Kernschmelzen. (bkh)

Ein Gedanke zu „Aufregung

Kommentare sind geschlossen.